Aux Boards de la Loire – An den Ufern der Loire XIV

Kapitel 14 – Das letzte Kapitel mit der italienischen Liebeserklärung

Die Jahre zogen ins Land. Wir sahen viel und erlebten viel. Ich habe mir angewöhnt, immer mehr Dinge aufzuschreiben, Fotos zu archivieren. So wäre es problemlos möglich, von fast jedem Monat, ja jeder Woche und manchmal auch jedem Tag ein ganzes Kapitel zu schreiben. Damit möchte ich aber niemanden langweilen. Es gab herausragende Ereignisse, die zu erwähnen sind. Leider auch weniger schöne Dinge!

Das Jahr 2008 war das Jahr unserer silbernen Hochzeit. Und nicht nur das – wir sahen sehr viel von der Welt, hatten auch viel Glück. Und so hatten wir schon sehr früh beschlossen, das Jahr in der Stadt zu beenden, in der wir unseren Silberhochzeitstag erlebten – PRAG! Wir fuhren mit Freunden dort hin und genossen eine schöne Zeit.

Und dann möchte ich gleich damit beginnen, etwas klarzustellen. In diesem Kapitel nenne ich soviele Gerichte, wie noch nie zuvor, sie stammen alle von unseren Weihnachtsessen, die wir bis zum Jahr 2012 so abhielten, wobei sich meine Kochleidenschaft stets erhöhte. Nur eines ist anders als in den bisherigen Kapiteln. Es gibt keine Rezepte – die wird es erst im nächsten Jahr Ende November geben, wenn das Kochbuch erscheint, das wir zur Zeit in Arbeit haben.

Wieder einmal begann ein neues Jahr und auch wieder einmal eine neue Zeit. Wir schrieben plötzlich das Jahr 2009. Am 9. März dann hatte sich der Tod unsere Familie ausgesucht. Meine Oma starb im Alter von 88 Jahren. Sie brach zusammen und schlief einfach ein. Meine Oma hatte mich mein ganzes Leben lang begleitet. Natürlich war nicht immer eitel Sonnenschein. Aber ich war ihr ältester Enkel. Als ich geboren wurde, war sie 42 Jahre alt, als sie starb war ich 47 Jahre. Das war eine lange Zeit. Unmenschliches hatte sie geleistet. In den Wirren des Krieges aus Ostpreußen geflohen und dann alleinerziehend mit 3 kleinen Kindern im fremden Ostfriesland, nur ihre Mutter, meine Ur-Oma an ihrer Seite. Jeder hier kannte sie und bei ihrer Beerdigung begleiteten Sie viele Menschen auf ihrem letzten Weg.

Das Jahresende verbrachten wir dieses Mal bei einer tollen Show zum Jahreswechsel in Madrid. Für das Weihnachtsmenü bei uns zu Hause war natürlich auch gesorgt:

  • Entenbrust in Vino Santo
  • Tschechische Knoblauchsuppe
  • Ziegenkäse lauwarm gratiniert mit Knoblauch-Rosmarin-Honig
  • Calvados Sorbet
  • Lammkarée mit Kräuterkruste an Süßkartoffel-Püree
  • Eiscreme von Backpflaumen in Armagnac

Wahrscheinlich empfindet man weiter zurückliegende Ereignisse als weniger stressig, doch für uns folgten jetzt sehr bewegte Jahre, in denen sich unser Leben noch einmal extrem änderte. Während wir 2010 mit dem Karneval in Venedig begannen, was eines jener Ereignisse im Leben eines Menschen ist, die man eigentlich nur einmal so erleben kann, waren wir Ostern in Tchechien und fuhren wir im Sommer erstmalig nach Andalusien Wir beendeten das Jahr in einer völlig anderen Welt – in Istanbul. Von überall nahmen wir aber Ideen und Rezepte mit, die wir heute weitergeben und natürlich auch selbst verwenden können. Das Weihnachtsmenü 2010 war natürlich von unseren Reisen inspiriert:

Vorspeisenteller aus 4 Ländern

  • Aus Tchechien: Böhmische Kartoffelpuffer
  • Aus Italien: Knoblauch-Pasta
  • Aus Frankreich: Marroil-Auflauf
  • Aus Spanien: Chorizo mit Rotwein

Suppe

  • Birnensuppe

Zwischengericht

  • Zitronengnocchi mit Pfifferlingen

Sorbet

Hauptgericht

  • Kaninchen mit Schokoladensauce

Käse

  • Gratinierter Ziegenkäse auf Glühweinfeigen

Dessert – aus vier Ländern

  • aus Tchechien: Buchteln mit Vanillesauce
  • aus Italien: Halbgefrorenes mit Marsala-Zabaione
  • aus Frankreich: Orangencreme
  • aus Spanien: gebackene Milch

Das herausragendste Ereignis des Jahres 2010 war jedoch nicht etwa der Karneval in Venedig, nein – es war der Tag an dem wir die Sagrada Familia in Barcelona zum ersten Mal sahen. Dieses Meisterwerk von Antoni Gaudi, der diese Kathedrale 1882 zu bauen begann. Sie wird ausschließlich aus Spenden finanziert und soll zu seinem 100. Todestag 2026 fertig gestellt sein. Ein halbes Leben lang hatte ich davon gehört, Berichte gesehen, gelesen und jetzt stand ich davor und dann mitten drin. Wir waren beide überwältigt von diesem Erlebnis – und zwar derartig, dass wir, als wir herauskamen, vergaßen, dass man in der Nähe eines solchen Monumentes besser keine Bars aufsucht. Immerhin genossen wir ein kühles Wasser für jeweils etwa 10 Euro mit Blick auf die Kathedrale – lediglich eine vielbefahrene Straße und eine Bushaltestelle vor uns. Ich glaube, diese Kneipe gehört uns seither!?!?

Das Jahr 2011 war wieder einmal ein Schicksalsjahr und wir mussten erfahren, wie sehr Freud und Leid doch beineinander liegen konnten. Aber beginnen wir von Anfang an. Ich hatte Agnes im vergangenen Jahr eine Reise nach Dresden und Prag zum Geburtstag geschenkt. Die Reise begann in Dresden. Wir besuchten die Semper-Oper und sahen die Fledermaus. Niemand Geringeres als Wolfgang Stumpf spielte dort in herausragender Weise dort mit. Die anschließende Weiterfahrt nach Prag führte uns durch das verschneite Elbtal und auch nach „Börnersdorf“. Dieses kleine Dorf wurde bekannt durch die Soldatengräber, in denen man die verschollenen Hitler-Besitztümer vermutete. Seit dem Film „Schtonk“ über die angeblichen Hitler-Tagebücher war der Ort eigentlich weltbekannt. Prag war schön wie immer. Unvergessen bleibt uns aber der Auftritt von Wolfgang Stumpf als Gefängniswärter Frosch in der „Fledermaus“.

Irgendwann hatten wir das Angebot einer Reisegesellschaft bekommen, bei einer Studienfahrt in die Ägäis mitzufahren. Es war sehr günstig. Darum willigten wir ein. Neben Troja sahen wir auch Ephesus und viele andere historische Stätten in der Gegend. Es war Anfang Mai und schon sehr angenehm warm. Der Rückflug fand mitten in der Nacht statt, das war weniger angenehm. Trotzdem war nach dieser Woche unser Bedarf an Gruppenreisen erst einmal gedeckt.

Wir bereiteten dann schon die goldene Hochzeit meiner Eltern vor, als wir einen sehr unerfreulichen Brief aus England bekamen. Unser Freund Roger Humphrey war im Alter von nur 64 Jahren am 16. Juni nach einer schweren Krankheit gestorben. Wie viele schöne Stunden hatten wir zusammen verbracht. Zuletzt hatten wir uns vor 10 Jahren gesehen. Wir hatten aber leider nicht die Möglichkeit zur Beerdigung zu fahren. Natürlich werden wir ihn und seine immerwährende gute Laune nie vergessen!

In Memoriam

Roger Humphrey

1947 – 2011

WE WILL ALWAYS REMEMBER YOU

Nach diesem ersten Leid des Jahres folgte wieder Freude. Am 07. Juli 2011 feierten meine Eltern ihre goldene Hochzeit. 50 Jahre waren sie gemeinsam durch gute und schlechte Zeiten gegangen. Zwischen den beiden Fotos unten liegen tatsächlich genau 50 Jahre. Leider hatten wir schon länger befürchtet, dass mein Vater, der erhebliche gesundheitliche Probleme hatte, nur darum gekämpft hatte, diesen Tag zusammen mit meiner Mutter zu erleben. Wir sollten bei dieser Befürchtung bestätigt werden. Einen Monat später, am 5. August feierte er seinen 81. Geburtstag. Am 27. August schloss er für immer seine Augen und das Foto von der goldenen Hochzeit war das letzte Foto von ihm.

Natürlich sagten wir in diesem Jahr unseren geplanten Spanienurlaub ab. Wir wären sonst 3 Tage nach der Beerdigung schon geflogen. Stattdessen wollten wir nur ein verlängertes Wochenende in Frankreich verbringen. Was dann aber kam, war nicht zu ertragen. Ein Kunde von mir, der natürlich wusste, dass mein Vater verstorben war und wann die Beerdigung stattfinden sollte, versuchte mich gerade in dieser Zeit mehrfach wegen einer Bagatelle zu erreichen. Er sprach mehrfach auf den Anrufbeantworter und wurde dabei sehr ungehalten, da ich ihn ja einfach nicht zurückgerufen hatte. Ähnlich erging es uns an den nächsten Tagen. Es wurde uns keine Zeit zum Trauern gelassen. Daher entschieden wir uns dafür, für 10 Tage nach Südfrankreich in die Provence zu fahren. Dort konnten wir dann die Ruhe erfahren, die man sich nach so einem Ereignis wünschte. In Südfrankreich fanden wir wieder ein wenig zurück ins normale Leben. Das zeigt auch das Foto von Agnes an ihrem 49. Geburtstag in Aigues Mortes. Es gab Muscheln mit Pommes, jenes Gericht, von dem wir viele Jahre zuvor in Brüssel geglaubt hatten, dass das nur ein Witz sei.

Im Oktober fuhren wir für wenige Tage nach Nordfrankreich und Belgien. Unter anderem schauten wir uns die Drehorte des Films „Willkommen bei den Ch´tis an. Allen voran natürlich Bergues, die kleine Stadt in Nordfrankreich, die durch diesen Film weltberühmt wurde. Unter dem Eindruck einer sehr schwierigen Zeit in meinem Beruf muss das hier etwas bei uns ausgelöst haben. Wir begannen, über eine Geschäftsidee nachzudenken, die unser Leben in den nächsten Jahren vollständig verändern würde.

Silvester verbrachten wir wieder einmal in einer europäischen Hauptstadt, nämlich in Budapest und dieses Mal in einem vernünftigen Hotel. Weihnachten gab es auch schon wieder ein Menü, dessen Rezepte sich neben vielen anderen im November des kommenden Jahres in unserem Kochbuch wiederfinden werden.

Vorgericht

Sacher Tafelspitzsulz mit Feldsalat an Kürbispesto

Suppe

Rosmarinsuppe mit Entenbruststreifen

Zwischengericht

Apfel-Campari-Gelee

Hauptgericht – Gehacktes aus aller Welt

Entenfrikadellen mit Rotkrautsalat und eingelegten Orangen-Honig-Feigen

Falafel auf Eisbergsalat

Grünkernbuletten mit Honig-Senf-Creme

Lammfrikadellen auf lauwarmem Bohnensalat

Dessert

Beschwipstes Birnentörtchen

Das Jahr 2012 wurde richtungsweisend für uns. Als „Einzelkämpfer“ wurden die Zeiten immer schlechter in meinem Versicherungsberuf. Während wir beide in diesem Jahr unseren 50. Geburtstag feiern durften und uns gegenseitig wunderbar überraschen konnten, gab es auch weniger schöne Momente. Innerhalb eines Jahres verstarben auch die beiden letzten Geschwister meines Vaters. Sie waren alle alt geworden, mussten jedoch sehr leiden. Wieder einmal lagen Freud und Leid nah beisammen, denn in diesem Jahr durften meine Schwiegereltern Ihre Goldenen Hochzeit feiern. Nachdem mein 50. Geburtstag seinen Höhepunkt im Restaurant von Johann Lafer fand, konnte ich für Agnes einen privaten Besuch bei Brigitte Antonius, der Johanna Janssen aus „Rote Rosen“ in Lüneburg zustande bekommen. Im September jedoch veränderte sich für mich die Welt schlagartig. Die Diagnose: Diabetes. Keine Ahnung hatte ich bis dahin, was das bedeutete. Ich musste meine Ernährung umstellen und abnehmen. Beides schaffte ich und nicht nur das – auch diese fürchterliche, schleichende Krankheit konnte ich besiegen. Auch unsere Geschäftsidee entwickelte sich weiter. Und bei unserer Silvesterreise, die dieses Mal nach Rom führte, haben wir uns dann wohl für einen generellen Umbruch entschieden. Vor unserer Silvesterreise jedoch gab es noch einmal das gewohnte Heiligabend-Menü.

Vorspeise

Ziegencrostini auf Linsensalat

Vorgericht

Terrine von Antipasti

Suppe

Weiße Zwiebelsuppe mit Gemüsestrudel

Hauptgericht

Kaninchenfilet mit Senfbirnen

Dessert

Claire Fontaine

Es folgte das Jahr 2013, ein besonderer Einschnitt in unser Leben! Nachdem wir im Jahr zuvor noch einmal im Sommer nach Spanien gefahren waren, reifte unsere Geschäftsidee. So fuhren wir dann mehrmals nach Flandern, um Ideen zu sammeln und schließlich unser Geschäft „Gourmet Flamand“ ins Leben zu rufen. Am 28. Mai 2013 waren wir dann gerade in Belgien im Hotel angekommen, um noch einmal in Ruhe ein Brainstorming durchzuziehen und Einkaufsmöglichkeiten zu sondieren, als ich meine Emails abrief und unser Logo fertig war. Jetzt konnten wir in die heiße Phase der Planung eintreten.

Am 01.Juni meldeten wir das Gewerbe an, hielten aber noch alles geheim. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Wir kauften ein, holten Biere und Weine aus Flandern und eröffneten am 19. Oktober 2013 unseren Laden „Gourmet Flamand“. Die Geschichte ist noch ziemlich jung und daher vielen Leuten bekannt. Eines aber hatte sich ab 2013 schlagartig geändert. Es gab kein spezielles Weihnachtsmenü mehr. Das ist künftig nur noch in Jahren möglich, in denen der Heiligabend auf einen Sonntag fällt. Aber der Laden macht besonders in der Weihnachtszeit viel Spaß – nicht nur wegen des Umsatzes. Ab Januar 2014 begannen wir mit unseren abendlichen Verkostungsveranstaltungen und am Silvestertag 2014 gab es erstmalig unser Silvester-Lunch. Bis heute gibt es unsere Verkostungsabende und unsere Events sind mittlerweile etabliert. Wenn wir dann im nächsten Jahr erstmalig Veranstaltungen im neuen Küchenstudio von Jens Meinen durchführen, beginnt wieder einmal eine neue Ära, die bei Gesundheit noch lange nicht die letzte sein soll – denn Ideen haben wir noch immer genug!

Leider lief auch das Jahr 2016 nicht ohne Leid ab. Unsere kleine Flocke, die uns 8 Jahre so viel Freude gemacht hatte und einfach bei uns und mit uns lebte, verließ uns am 16. Dezember für immer. Ein aggressiver Tumor, der sich nicht operieren ließ, machte es notwendig, sie einschläfern zu lassen. Mitten im dicksten Weihnachtstrubel musste das sein. Die Tierärztin kam zu uns. So mussten wir Flocke nicht mehr in den ungeliebten Katzenkorb einsperren. Die Kunden, die in dieser Zeit im Laden waren, zeigten allesamt Verständnis und warteten in aller Stille abe, bis unsere Flocke in Frieden diese Welt verlassen hatte. Sie war nicht sehr alt geworden für eine Katze – aber alles und jeder hat seine Zeit.

Na klar, als ich im Mai anfing, diese Story zu schreiben und zu veröffentlichen, hatte ich von unserer großen Liebe zu Frankreich gesprochen, war dann aber 1979 in Amsterdam angefangen und hatte versprochen, dass diese Story sehr italienisch enden wird. Nun ja, ist auch so.

Seit 1979 gehen wir zusammen durch Dick und Dünn. Viele dunkle aber noch mehr wunderbare Stunden haben wir zusammen erlebt. Neid und Mißgunst wurden uns zuteil, man versuchte uns zu mobben, auszunutzen oder einfach nur zu ärgern. Mein Beruf als Versicherungsmakler hat uns beide gesundheitlich sehr geschadet. Denn es ist nicht gerade angenehm zu erfahren, dass viele Leute einen dann nicht nur als Menschen zweiter Klasse ansehen, sondern auch so behandeln. Mit Gourmet Flamand haben wir eine gemeinsame Aufgabe gefunden, die uns Spaß macht und unheimlich viele nette Menschen zu uns kommen lässt. Viele Stunden Arbeit erfordert Gourmet Flamand – viele Stunden, in denen wir gemeinsam arbeiten, uns streiten und natürlich auch versöhnen. In den 38 Jahren, in denen wir zusammen sind, haben sich viele unserer Bekannten und Freunde getrennt. Wir glauben, dass wir eine Art „Auslaufmodell“ sind. Dennoch können wir gemeinsam sagen, dass es stimmt, dass die Liebe stark macht.

Die letzten Worte dieser Story über unser Leben sollen ganz alleine meiner großen Liebe, Agnes, gehören. Es war in Venedig, wo wir das Lied „Comme Prima“ hörten, dessen deutsche Übersetzung so lautet:

Wie damals bricht die Nacht magisch herein.
Der Mond scheint und du bist hier.
Ich bin etwas verwirrt, ich verstehe es nicht
Und so kann ich dir sagen, einfach nur so
Meine Welt, die ganze Welt ist für Dich
ich liebe sonst niemand so wie Dich
An Jedem Tag, in jedem Augenblick
sage ich Dir sanft, wie damals – mehr als damals
werde ich Dich lieben
So wie damals,
mehr als damals, werde ich Dich lieben.
Für das Leben gebe ich Dir mein Leben
Ich fühle mich wie im Traum, wenn ich Dich sehe,
streichle ich deine Hand,
halten sich unsere Hände noch fester.

 

Ich fühle mich wie im Traum, wenn ich dich sehe, streichle deine Hand,
halten sich unsere Hände noch fester.
Meine Welt, die ganze Welt ist für Dich
ich liebe sonst niemand so wie Dich
An jedem Tag, in jedem Augenblick
sage ich Dir sanft, wie damals – mehr als damals werde ich Dich lieben.

Das waren Einblicke in unser Leben. Für diejenigen, die es gelangweilt hat, sprecht nicht drüber – für alle anderen gilt erzählt es weiter. Im nächsten Jahr wird es – vorausgesetzt, wir bleiben gesund – unser eigenes Kochbuch geben. Darin gibt es zwischen einfachen und aufwendigen Rezepten natürlich auch kleine Geschichten und Anekdoten. Und wie immer: Wem das hier gefallen hat, der darf natürlich auch eine Kleinigkeit spenden – alles wird ordnungsgemäß versteuert, keine Angst.

Aux Bords de la Loire – An den Ufern der Loire XIII

Kapitel 13 – Silberne Hochzeit – ist man dann eigentlich alt?

Wir waren im Jahr 2008 angekommen. In diesem Jahr würden wir unseren 25. Hochzeitstag feiern. Kaum zu glauben. Da erinnerten wir uns doch noch zurück, wie unsere Eltern diesen Tag begingen. Waren wir denn jetzt plötzlich alt? Glaube ich nicht – jedenfalls fühlten wir uns nicht so. Jung wie wir uns aber fühlten, kam dann im April eine ganz neue Herausforderung auf uns zu.

Aber jetzt mal von Anfang an. 2008 begann im Februar mit einer ganz besonderen Reise. Zum ersten Mal trauten wir uns nach Spanien. Unser Reiseziel war das berühmte Santiago de Compostela, der Pilgerort überhaupt. Der günstigste Flug startete aus Frankfurt-Hahn. Das klingt wie Frankfurt, ist aber nicht Frankfurt. Das liegt noch etwa 120 km von dort entfernt. Glücklicherweise hatten wir neben unserem eingebauten Navi auch noch ein mobiles Gerät mit, da wir das im spanischen Leihwagen brauchen würden. Wir gelangten also am Vorabend des Fluges in abgelegene und teilweise verschneite Gegenden im Hunsrück. Hier lag nun irgendwo dieser Flughafen. Durch diverse Straßensperrungen wegen Hochwassers kamen wir völlig vom Weg ab und die beiden Navis stritten heftig über den richtigen Weg. Irgendwann kamen wir dann am Gelände des Flughafens an und unsere Navis leiteten uns durch eine Art Hintereingang dorthin. Fast eine halbe Stunde lang führten uns die Navis durch Feld- und Waldwege – alle geteert oder ausgepflastert. Nachdem ich schon Angst hatte, wir würden gleich auf dem Rollfeld stehen, gelangten wir schnell zum direkt der Abflughalle gegenüberliegenden Hotel. Wir checkten ein und genossen danach in einem sehr angenehmen Flughafenrestaurant unser Abendessen.

Santiago de Compostela – auf dem Jakobsweg. Seit Harpe Kerkeling diesen Weg gegangen und in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ verewigt hat, scheinen die Menschen vor allem in Deutschland wieder begriffen zu haben, was dieser Jakobsweg bedeutet – auch, wenn man nicht religiös ist. Uns war es nie vergönnt, die Zeit zu haben, diesen Weg einmal zu gehen. Aber an vielen Stationen des Weges hatten wir im Laufe des Jahres schon verweilt. Ob in Frankreich, Deutschland, Holland, Belgien. Eigentlich liegt ja jeder Ort am Weg nach Santiago. Wir kamen dort mitten im Winter an. Ein wunderbares Hotel begrüßte uns und unser Leihwagen machte uns unabhängig. Wir erlebten Galizien und damit auch Satiago in einer Zeit, in der die Einheimischen fast unter sich waren. Das war besonders schön in den Restaurants. Hier herrschte eine heimische Atmosphäre und besser als im Sommer (das würden wir in Kürze erleben), gab es jetzt die regionalen Gerichte. Erstmals aßen wir einen galizischen Eintopf, nämlich eine Kichererbsen-Suppe und machten mit der spanischen Tortilla als Tapa oder Hauptgericht Bekanntschaft. Diese Rezepte habe ich nie aufgeschrieben, sie werden aber noch irgendwann zu Papier gebracht.

Nachdem wir eine einmalig schöne Zeit in Santiago erlebt hatten, entschlossen wir uns spontan, auf der Rückreise noch für eine Nacht in Lüttich Station zu machen. Belgien zog uns eben schon damals irgendwie an. Auch hier hatten wir wieder Glück mit dem Wetter, mit Restaurants  und Kneipen und eben auch dem Hotel. Nur etwa einen Monat später flogen wir erstmals nach Budapest, dem Paris des Ostens. Leider lernten wir das aber von einer schlimmen Seite kennen. Bislang hatten wir nur wenig Erfahrung mit den ehemaligen Ostblockländern. Zwar wussten wir, dass es den Ungarn wirtschaftlich nicht sehr gut ging, jedoch hätten wir mehr Geld für das Hotel ausgeben sollen. Wir erwischten ein Horrorhotel in einer perfekten Lage.

Wir waren sehr früh in Budapest gelandet und konnten noch nicht einchecken. Glücklicherweise kamen wir nicht auf die Idee, unser Gepäck, wie international üblich schon im Hotel abzugeben. Das wäre dann wohl weg gewesen. Wir deponierten es im Westbahnhof und machten dann unsere ersten Erkundungen bevor wir es wagten, ins Hotel zu gehen.

Von der Metrostation aus war es eigentlich nicht sehr weit dort hin. Kein größeres Schild war dort zu sehen, wo das Hotel sein sollte, aber dennoch waren wir hier richtig – leider!  Wir sollten den wohl größten Dreckstall in Form eines Hotels sehen, der uns je untergekommen war. Aber wir waren bereit, uns der Herausforderung zu stellen. Ein Straflager hätte nicht schlimmer sein können. Gut, dass wir hier nicht mehr Geld bezahlen mussten. Vorsichtshalber hatte man an der Rezeption schon mal darauf geachtet, dass wir gleich für die gesamte Zeit bezahlen. Vermutlich ging man davon aus, wir könnten sonst flüchten. Zum ersten Mal seit unserem Reinfall im italienischen Umbrien hatten wir ein richtig schlechtes Hotel erwischt. Aber – es sollte uns nicht davon abhalten Budapest in allen Einzelheiten zu erkunden. Klar, denn auf diesem Zimmer würden wir ganz bestimmt nicht so oft sein.

Für den nächsten Morgen hatten wir auf einem Zettel ankreuzen müssen, was wir zum Frühstück wünschen. Da konnte dann ja nicht so viel daneben gehen. Bestellt hatten wir das Frühstück für 8.30 Uhr. Es sollte aufs Zimmer gebracht werden. Das klappte natürlich nicht. Erst auf Nachfrage kam dann das Grauen auf unser Zimmer geliefert. Zwei Brötchen – das stimmte. Käse und Wurst und Ei auch – aber der Kaffe war in den großen Tassen unten am Boden kaum zu finden. Der Orangensaft war irgendeine mit Wasser vermischte Plörre. Aber: das Hotel war billig – und wir könnten ja unterwegs noch etwas Richtiges essen. Außerdem folgte jetzt ja das Osterwochenende.

Der Ostersamstag begann mit Schnee und Regen, wobei sich der strömende Regen durchsetzte. Das Frühstück kam heute pünktlich und  – war noch magerer. Statt der bestellten  Brötchen gab es nur vier kleine Stücke Toast und zwei Scheiben Käse. Na herzlichen Glückwunsch! Unsere Blicke veranlassten die Dame, die uns das Frühstück brachte, sich mit den Worten zu entschuldigen: „We have holiday.“ – „Wir haben Ferien“ – Ja dann macht man aber zu und serviert seinen Gäste nicht so einen Mist! Wir gingen dann los und fuhren erst einmal mit Bus einfach in der Gegend rum, damit wir nicht im Regen liefen. Ausstieg war dann vor der Metrostation in der Nähe des Hotels, woraufhin wir uns dann trauten, in das gegenüber liegende Einkaufszentrum zu gehen, was von außen nicht den besten Eindruck machte, jedoch von innen toll war. Wir fuhren danach noch zu einem anderen Einkaufszentrum, wo es sich bei Regen ganz gut aushalten ließ. Angrenzend an das Einkaufszentrum gab es dann wieder einen Markt für die ärmere Bevölkerung. Dort waren wirklich leckere „Schweinereien“ zu bekommen und wir deckten uns ein wenig damit ein. Danach gab es noch einen knoblauchverseuchten „Laros“ – jene in der Friteuse gebackene Teigspezialität, die wir schon aus Wien kannten. Jetzt fiel uns ein, dass wir die Leckereien doch zum Mittag und zwar in unserem mehr als gut ausgestatteten Hotelzimmer verzehren konnten. Wir fuhren hin und machten uns am Tisch breit. Dass noch kein Zimmer gemacht war, war uns egal, denn es würde ja sowieso nicht auffallen.

Und während wir so da saßen, kam die Putzfrau ins Zimmer – schaute etwas überrascht, weil sie nicht so recht etwas damit anfangen konnte, dass wir da sitzen und essen. Sie begrüßte uns höflich, um dann zum Abwaschbecken zu gehen und das Frühstücksgeschirr abzuwaschen – oder besser abzuspülen. Es schien sie nicht zu stören, dass wir da waren. Warum auch. Sie fragte nach, ob wir wirklich neue Handtücher haben wollten. Ich gab  ihr zu verstehen, dass das so sein sollte, denn schließlich hatten wir, wie international üblich, die Handtücher auf den Boden geworfen. Sie holte zwei Handtücher und warf diese an mir vorbei gekonnt auf das Bett und verschwand naserümpfend wieder im Flur, um Sekunden später mit zwei Rollen Klopapier, die sie mir stolz zeigte, während ich beruhigt weiterkaute. Das Klopapier entsprach von der Papierdicke her etwa der Dicke der menschlichen Haut, hatte aber nicht annähernd die Reißfestigkeit. Gut, dass wir uns selbst etwas gekauft hatten. Die Reste würden sie nach unserer Abreise behalten dürfen. Jetzt endlich verschwand die Putze auf dem Flur und schloss die Tür von außen. Wir aßen noch etwas und tranken den Wein, der uns half, dieses Zimmer, dieses Hotel und dieses Personal zu ertragen.

 

Budapest aber ist eine wunderschöne Stadt. Gleich für den ersten Abend hatten wir uns Karten für ein Ballett in der Oper besorgt. Das war ein gigantisches Erlebnis. Viele schöne Dinge gab es hier zu sehen. Alte Markthallen, moderne Geschäfte und das damals größte europäische Einkaufszentrum. Die ungarische Küche zeigte sich uns in vielfältiger Weise. Dabei bleibt das herausragende Rezept das des ungarischen Gulaschs – also so wie man dort Gulasch ist. Aus diesem Geschmackserlebnis wurde später unser Gulaschgewürz und natürlich der Gulasch á la Gourmet Flamand. Als wir nach wenigen Tagen wieder zu Hause waren, hätten wir Budapest wegen dieses Horrorhotels fast für immer abgehakt. Doch glücklicherweise überwanden wir den Wahnsinn und kamen einige Jahre später noch einmal Silvester dorthin.

Manchmal geht das Leben eigenartige Wege. Es war der 20. April 2008. Wir feierten mit unserer Familie meinen Geburtstag. Ständig fiel uns dabe auf, dass hinter unserem Haus eine schwarz-weiße Katze herumlief. Wann immer die Tür aufging, wollte sie herein. Aber wir wollten doch kein Tier wieder haben. Außerdem hatte Agnes eine Katzenallergie. Wir hatten alle Mühe, sie davon abzuhalten, ins Haus zu kommen. Am Abend sahen wir sie dann mit dem Kater des Nachbarn kämpfen. Kurz darauf war sie weg.

Irgendwie völlig fertig aber auch unzufrieden mit allem, was so um uns herum passierte, tranken wir unseren Abschlusswein auf der Terrasse und gingen dann ins Bett. Am nächsten Morgen konnte Agnes gar nicht aufstehen, sie erlitt so etwas wie einen Schwächeanfall und stand erst nachmittags wieder auf. Eines aber hatte sich nicht verändert. Die Katze war wieder da und wollte mit uns schmusen. Sie lag auf den Gartenstühlen auf der Terrasse und schaute uns an. Wir gingen beide aus dem Haus und sie kam zu uns. Bei Agnes keine Spur von Allergie.

Dann mussten wir eine Entscheidung treffen: Tierheim oder wir. Sehr schnell hatten wir uns dafür entschieden, die Katze zu behalten. Wir öffneten die Tür und ließen sie herein. Es war, als ob Loulou zurückgekehrt war. Sie kannte sich eigenartiger Weise im Haus aus. Sie ging durch die Tür und dann in die Küche, den Flur und ins Schlafzimmer, wo sie sich sofort unter der Decke im Bett verkroch. In den folgenden Tagen schlief sie sehr viel und ruhte sich von der schweren Zeit da draußen aus. Wir nannten sie Momo, weil sie eben ein Findelkind war. Sie machte einen sehr gepflegten Eindruck. Vermutlich war sie ausgesetzt worden.

 

Wenige Tage später ließen wir sie beim Tierarzt untersuchen. Da kam dann auch der Schock: sie bekam drei Babies und das schon bald. Auch das nahmen wir hin. Ihre hohen Entzündungswerte kamen wohl von der stressigen Zeit, in der sie sich durchkämpfen musste. Sie war einfach lieb. Nicht nur, dass sie das Katzenklo kannte, nein sie ging auch ohne zu murren in den Tragekorb, mit dem sie zum Tierarzt gebracht wurde. Als sie wieder zu hause war, schlief sie weiter. Am 01. Mai verbrachte sie gleich den ganzen Tag auf meinem Schreibtisch und zeigte uns damit: ich gehöre hier jetzt her.

Am 6. Mai war es dann so weit. Wir mussten zu einer Vortragsveranstaltung nach Hamburg und oben in einer kleinen Ecke im großen Zimmer, das nur als Rumpelkammer diente, kamen drei kleine Katzenbabies auf die Welt. Das erste Kätzchen sah aus, wie der kleine Eisbär Flocke – also nannten wir es später auch so. Als zweites kam der kleine Mikesch zur Welt, der Mamas Ebenbild war, aber sehr klein und schwach zu sein schien. Wir hatten Angst, dass er nicht überleben würde. Doch er kämpfte sich durch. Der dritte im Bunde war ein Kater, den wir Tiger nannten. Er war einfach ein Bild von Katze. Er hätte leicht die Werbung für Whiskas machen können. Es begannen zehn aufregende Wochen, in denen die drei ihr Unwesen bei uns treiben sollten.

Die Drei wuchsen heran und spielten mit uns. Es kam dann aber der Tag, an dem wir uns trennen mussten. Mikesch, der übrigens manchmal aussah, als ob er gerade auf einem Trip war, ging als erster. Doch schien seine neue Familie nicht mit ihm klar zu kommen, wollten sie doch eine Reisekatze aus im machen. Nach nur einer Woche und einem Trip nach Hannover brachten sie uns Mikesch zurück, der zunächst einmal die anderen verrückt machte, jedoch nach einem Tag wieder voll dazu gehörte. Wir waren schon mit allen Vieren in Heede in der Tierklinik gewesen, weil Flocke doch solche Probleme mit ihren etwas schief gewachsenen Füßen hatte, was sich aber alles wieder regelte. Vielleicht hatten wir allen auch schon zuviel zugemutet.

Wir fanden dann eine Möglichkeit, dass Tiger und auch Mikesch untergebracht wurden, jedoch schien es keine gute zu sein. Eine Zeitungsanzeige brachte dann die Wende. Tiger wurde von sehr tierlieben Menschen abgeholt, während Mikesch dann schließlich doch noch in sehr gute Hände kam. Danach begann eine sehr unruhige Zeit mit Flocke und Momo und sie hielten uns gut in Schuss. Man konnte doch merken, dass alles wieder etwas anders lief und wir wieder eine Familie waren. Nie jedoch würden wir die wunderbare Zeit der unbeschwerten Kindheit unserer kleinen Katzenfamilie vergessen.

Wegen eines Hotelgutscheines fuhren wir für zwei Tage in den Harz. Das vorweg: wir hatten schönes Wetter in Hahnenklee. Als wir ankamen fuhren wir auf den Hausberg dieses „mondänen Ortes“, den Bocksberg. Zu unserer Freude gab es dort ein Gasthaus. Wir setzten uns in den Biergarten. Die Bedienung, eine etwas zu schwer geratene Dame mit dem Problem behaftet, dieses Gewicht mit den ihr zu Verfügung stehenden Muskeln und Knochen zu tragen, stand etwa 15 Meter von uns entfernt in der Tür und rief uns zu: „Was möchtet Ihr denn haben? – Ich mach die Bestellung mal von hier, dann muss ich nicht so weit laufen!“ Na toll! Der Harz, für uns stets ein Synonym für Langeweile und Spießertum, entäuschte uns in diesem Klischeedenken nicht. Und wäre an diesem Abend nicht ein großes Feuerwerk angesagt gewesen, so hätten die bestimmt die Bürgersteige schon um 18.00 Uhr hochgeklappt. So wartete man an diesem Abend bis 21.30 Uhr damit. Es war schon irre, mit welcher Geschwindigkeit die Besucher des Feuerwerkes bergauf und bergab schnell in ihre Behausungen fanden. Zum Glück fuhren wir am nächsten Tag (übrigens nicht enttäuscht vom Hotel) wieder nach Hause.

Ja – tatsächlich hatten wir vor, noch einmal mit dem Zelt nach Chatillon zu fahren, so wie im vergangenen Jahr. Als uns ein Kollege während einer Tagung von einer 14tägigen Tour durch Portugal erzählte, bei der er und seine Frau mit einem Laptop bewaffnet jeden Tag aufs Neue entschieden, in welchem Hotel sie wohnten, kamen die ersten Zweifel auf. Aber wir hatten ja schon bei Jean und Bernadette einen Platz reservieren lassen. Als wir dann Anfang August das Zelt vom Boden holten und draußen aufbauen wollten, um es noch einmal zu lüften und zu imprägnieren, kam plötzlich und unerwartet von uns beiden gleichzeitig der Entschluss, uns das nicht noch einmal anzutun und nach Spanien und Portugal zu fahren. Für Jean und Bernadette dachten wir uns eine plausible, wenn auch blödsinnige Ausrede aus und starteten am 16. August zu unserer Fahrt nach Spanien. Nach einer regnerischen Fahrt durch Frankreich erreichten wir am Abend des 17. Augusts Burgos – dort war Hochsommer!

Da wir am Nachmittag mehr als gut durchgekommen waren, hatten wir uns entschieden, an diesem Tag dann insgesamt doch die insgesamt notwendigen 1.100 km bis Burgos zu fahren. Das war in der Nähe von Bordeaux. Dort hatten wir kurzerhand den Laptop angeworfen und über ein Buchungsportal in Burgos ein Boutique-Hotel gefunden, von dem wir natürlich nicht enttäuscht wurden. Überhaupt schien Burgos an diesem Abend für uns ein Festkleid angelegt zu haben. Sommerliche Wärme, südliche Gelassenheit, Tapas und Rotwein. Spanien hatte uns „eingewickelt“. Von hier aus ging es dann zwei Wochen durch Nordspanien, Portugal und zuletzt wieder nach Santiago de Compostela, wo wir noch einmal die Pilgerstadt im Hochbetrieb erleben durften.

Es folgten wunderbare Tage in Nordspanien und vor allem in Portugal. Dort hatte es uns Porto angetan. Porto entpuppte sich als eine tolle Stadt. Wir verbrachten gleich einmal 5 Tage dort – in unterschiedlichen Hotels, die wir immer am Abend per Laptop aussuchten. In Spanien und Portugal versuchen gerade die Business-Hotels im Sommer durch eine günstige Auslastung die Betriebskosten einzufahren. Davon konnten wir profitieren. Wir übernachteten zum Teil in 5-Sterne-Hotels für gerade einmal 50,– Euro inklusive Frühstück für zwei Personen! So kamen wir dann gegen Ende des Urlaubs nach Leon. Für eine Nacht wollten wir dort bleiben und anschließend über Pamplona nach  Frankreich zurück fahren. Der Tag und der Abend in Leon waren wunderbar. Am Morgen fuhren wir schweren Herzens weiter. Doch schon nach 20km kam das Aus!. Der Keilriemen riss und wir standen an der Autobahn. Wir standen an der Autobahn und riefen über die Notrufsäule Hilfe. Als ich dann das dritte Mal anrief, schickte er uns die Polizei, die die an diesem Tag nur schwach befahrene Autobahn weiträumig abriegelte. Oh Mann – waren die wichtig. Jemand von der Autobahnmeisterei, der gut englisch sprach, half dann und rief einen Abschleppdienst. Der zog unseren Ford Galaxy auf den viel zu leichten Transporter und brachte uns für nur 100 Euro nach Leon in eine Ford-Vertretung. Nach deren wohlverdienter Mittagsruhe war man sehr zuvorkommend, jedoch war es nicht möglich am gleichen Tag zu reparieren, da die Wasserpumpe kaputt war.

Wir fanden uns damit ab, noch zwei Tage in Leon zu bleiben. Weil der Schutzbrief bezahlte, konnten wir uns mitten in der Stadt im besten Hotel einmieten. Das war einfach toll, bis auf das Frühstück. Dabei war weniger das Frühstück das Problem, sondern der zuständige Kellner. Als wir in den Frühstücksraum im ersten Stock des Hotels kamen, wehte uns – was aber ja nicht unbedingt negativ sein muss – der Charme der 1960er Jahre entgegen. Ein geschulter Blick über das Buffet ließ sofort erkennen, es handelt sich um ein für ein solches Hotel übliches Buffet, was aber noch nichts über die Qualität aussagen musste. Der Kaffee wurde, wie wir das schon in Santiago erlebt hatten, vom Personal eingeschenkt. Nur eben dieses Personal war gar nicht hier. Dann plötzlich betrat ein kleiner Kellner, wie wir ihn schon aus den Louis-des-Funés-Filmen kannten, in einem weißen Smoking-Jacket, den wir nach den nun folgenden Ereignissen „Dummseppel“ nennen würden,  den Raum und begrüßt uns mit der Frage ob wir Kaffee möchten. Dann die Frage nach Milch. Da wir beide ja sagen, schenkte er Agnes zuerst ein, was sich ja auch gehört. Dann bekomme ich aus dem Handgelenk meine Tasse zuerst mit Kaffee eingeschenkt, dann mit Milch bis sie überläuft. Hat der Seppel denn etwa einen Knick in der Optik? – Er verlässt den Raum und taucht wenige Augenblicke später wieder mit zwei mit Orangensaft gefüllten Sektgläsern zwischen Ring und Zeigefinger eingeklemmt und mit der ganzen Hand umklammert wieder bei uns auf. Er tritt etwas zurück, um sich dann leicht mit dem Hinterteil auf den Tisch zu setzen, auf dem direkt neben ihm das Müsli-Buffet aufgebaut ist. Natürlich vergisst er nicht, uns genauestens zu beobachten. Das war schon deshalb nervig, weil wir die einzigen Gäste im Moment waren. Dann sein großer Auftritt: Ich mache den Warmhaltebehälter für Rührei und Speck nicht richtig auf. Sogleich erhalte ich eine verhalten freundliche Einweisung, wie das nun richtig geht. Das muss sein Hobby gewesen sein, denn wir konnten das am nächsten Morgen bei anderen Gästen beobachten. Was er gegen uns hatte, weiß ich nicht. Wir benahmen uns gut und steckten nichts ein. Für das Essen im Restaurant hatten wir schließlich bezahlt. Vermutlich hielt er aber alle, die hier abstiegen und sich auch noch das teure Frühstück leisteten für „Geldsäcke“ und reiche Ausbeuter. Aber dann war er hier verkehrt. Wir machten uns aber nichts draus und lachten nur drüber. Wie gesagt, wir mussten das ja nicht bezahlen.

Die Rückfahrt wurde eine Tortoure. In Frankreich war Ferienende und alle fuhren gleichzeitig nach Hause. Das bedeutete ab spanischer Grenze 400 km Stop and Go ohne die Möglichkeit, anzuhalten, denn die Parkplätze waren übefüllt und die Leute waren genervt. Sie erledigten ihre Notdurft dort, wo sie gerade standen. Es war unerträglich. Tatsächlich fanden wir in einem gottverlassenen Dorf in der Nähe von Tours ein kleines Motel, wo man mit der Kreditkarte einen Schlüssel bekommen konnte. Das klappte und wir konnten schlafen. Am nächsten Morgen fuhren wir dann gemächlich durchs Loiretal über Chatillon, wo wir Jean und Bernadette besuchten, wieder nach Hause. Die Ufer der Loire hatten Konkurrenz bekommen: die Ufer des Duoro.

Es war soweit. Am 25. November 2008 hatten wir silberne Hochzeit.- Kaum zu glauben! Wir wollten nur im engsten Familienkreis feiern und flogen daher für diesen Tag nach Prag. In der goldenen Stadt verbrachten wir zwei wunderbare Tage ganz für uns alleine. Wir waren zwar fürchterlich erkältet, doch es war sehr schön. Es fiel schon etwas Schnee und so hatte Prag eine Puderzucker-Haube auf den Dächern. Ein wenig Kindheitserinnerung kam hoch – Pan Tau könnte gleich um die Ecke kommen. Am Abend unserer Silberhochzeit aßen wir in einem sehr guten italienischen Restaurant, wo auch unser „offizielles“ Silberhochzeitsfoto entstand. Eine Vorstellung in einem Schwarzlichttheater beendete am nächsten Abend dieses kurze aber schöne Reise.

Als wir wieder zu Hause waren, stand eine Familienfeier im engsten Kreis an. Wir hatten uns entschieden, nicht selbst zu kochen und bestellten einen Catering-Service – war nicht so toll! Aber wir waren noch einmal im engsten Familienkreis zusammen. Meine Oma war auch da. Viele Jahre über war sie immer wieder gerne bei uns. Gerne saß sie auf der Terrasse im Sommer oder genoss unser „Familien-Menü“. Niemals vergaß sie am Ende den Satz: „Jetzt war ich wohl zum letzten Mal hier.“ An diesem Tag vergaß sie ihn und es sollte tatsächlich das letzte Mal sein, dass sie hier bei uns war. Gerne erinnern wir uns daher an diesen Tag zurück und seit damals wissen wir, dass die Entscheidung richtig war, unsere Silberhochzeit genau so und nicht anders zu feiern!

Wie jedes Jahr gab es natürlich auch in diesem ereignisreichen Jahr ein Weihnachtsmenü bei uns. Einfach drauf klicken – dann gibt es das Rezept.

Das war Kapitel 13. In nur einer Woche, am Tag nach unserem 34. Hochzeitstag geht ´s weiter mit dem 14. und letzten Kapitel, das, wie schon angekündigt, sehr italienisch endet. Und wie immer – wem unsere kleine Story gefällt, der spendet in unsere Kaffeekasse – wir nehmen alles an von 1 Euro bis hin zu einer Million. Und keine Angst – wir versteuern alles ordnungsgemäß.

Aux Bords de la Loire – An den Ufern der Loire XII

Kapitel 12 – Erst einmal nur Arbeit und keinen Urlaub,

Die Jahre, die jetzt auf uns zu kamen waren manchmal sehr angenehm, aber auch durchaus schwierig. Wir waren es gewohnt, in Urlaub fahren zu können. Das konnten wir jetzt erst einmal vergessen, denn es begann ja für uns der Aufbau meines neuen Versicherungsbüros – und das unter „Dauerbeschuss“ meiner bisherigen Gesellschaft. Dennoch war für uns immer wichtig, das man nicht vergisst zu leben. Das versuchten wir in diesen schweren Jahren einfach mit kleinen Fahrten, bei denen wir auch das wunderbare Flandern kennenlernten, jedoch auch immer wieder einmal in unserem ach so geliebten Chatillon-sur-Loire landeten.

Das Jahr 2005 gestaltete sich für uns sehr schwierig. Mein Versicherungsbüro war noch im Aufbau und warf nicht viel Geld ab, wir mussten aber welches haben. Erstmals mussten wir deshalb auch eine geplante Reise absagen. Im Juli nämlich war Chatillon-sur-Loire Durchfahrtsort der Tour de France. Das ist in Frankreich etwas ganz Besonderes. Oft dauert es Jahre, bevor eine Stadt das geschafft hat. Dann steht man für einen kurzen Moment im Mittelpunkt. An den Straßen warten die Zuschauer oft stundenlang für einige Minuten, in denen dann der Werbetross und später das Fahrerfeld an einem vorbei rauscht. Wir hatten uns überlegt, genau dann dort zu sein. Leider konnten wir uns das aber zu diesem Zeitpunkt nicht leisten. Da aber damals noch alles live übertragen wurde, genehmigten wir uns zuhause einen Nachmittag Auszeit und verfolgten alles am Fernsehen. Es tat schon ein bisschen weh, dort alles zu sehen und nicht da sein zu können. Ende Juli besserte sich unsere Lage wieder rapide und wir nahmen uns einige Fahrten für das Wochenende vor. Herrausragend war dabei eine Fahrt nach Belgien, die nur 4 Tage dauerte, jedoch irgendetwas in uns auslöste. Von Flandern bis in die Ardennen genossen wir einige schöne spätsommerliche Tage Ende August.

Das Jahresende verbrachten wir natürlich wieder in Paris. Was wir damals nicht wussten, war, dass es das letzte Mal Paris mit Loulou war. Schön war, dass wir das winterliche Paris so richtig genießen konnten. Als es dann an einem Nachmittag schneite und wir merkten, dass man der Situation auf den Straßen hier nicht gewachsen war, bescherte uns das einige richtig schöne und gemütliche Stunden in der Hotelbar. Nicht zu vergessen ist allerdings auch für dieses Jahr unser Speiseplan am Heiligen Abend (für die Rezepte einfach anklicken):

 

Ja, es waren einige dunkle Jahre, die uns jetzt heimsuchten. Sie brachten viel Arbeit mit sich, was aber nie ein Problem für uns war. Leider entstanden dadurch auch gesundheitliche Probleme. Wie immer aber steckten wir nicht auf, auch wenn wir am 7. November 2006 für immer Abschied von unserer kleinen Loulou nehmen mussten. 16 lange Jahre hatte Sie uns durch Dick und Dünn begleitet, war immer für uns da und hat uns natürlich auch in manch schwerer Stunde getröstet und auf andere Gedanken gebracht. So schwer der Abschied auch war, so konnten wir aber auch sagen, dass sie ein erfülltes Leben bei uns hatte und immer im Mittelpunkt stand. Schließlich war sie, umgerechntet auf das Menschenalter, immerhin auch deutlich über 90 Jahre alt geworden. Und weil es eine so schöne Zeit mit ihr war, gibt es in der folgenden Galerie noch einige Bilder aus ihrem bewegten Leben.

Für ein paar Tage stand für uns die Welt still. Dann entsannen wir uns, dass Loulou, die sich am Abend vor ihrem Tod regelrecht von uns verabschiedet hatte, immer für eine Verrücktheit gut gewesen war. Jedes Jahr Silvester, wenn wir in Paris waren, führte uns unser Weg zusammen mit ihr in die alte Pariser Kirche Saint Severin. Also setzten wir uns am Morgen des 11. Novembers schon um 4.00 Uhr morgens ins Auto und fuhren nach Paris. Schon Mittags waren wir dort. Nachdem wir in dem Hotel eingecheckt hatten, in dem wir bisher nur immer mit Loulou waren, machten wir uns auf den Weg nach Saint Severin, wo wir ein wenig verweilten und dann eine Kerze für unsere Loulou anzündeten – eine große natürlich. Als wir am nächsten Tag wieder nach Hause fuhren, wussten wir, dass sie irgendwie immer bei uns sein würde und gewollt hätte, dass unser Leben normal weiter geht.

Und so kam zwangsläufig das erste Weihnachten in unserem Haus ohne die kleine Loulou. Noch im letzten Jahr hatte sie sehr aktiv beim Auspacken der Geschenke geholfen und natürlich vor dem Tisch um eine milde Gabe vom Weihnachtsessen gebettelt. Wir planten jetzt, erst einmal kein Haustier mehr zu haben. Ein Hund war sowieso nicht drin, da es keinen Ersatz für Loulou gab. Das Weihnachtsessen sollte uns dann auf andere Gedanken bringen. Hier ist das Menü aus dem Jahr 2006 (für die Rezepte einfach anklicken):

 

Da sich unsere finanzielle Lage wieder verbesserte, planten wir auch wieder einen Urlaub. Tatsächlich war es 2007 zwanzig Jahre her, dass wir zum ersten Mal in Chatillon-sur-Loire auf diesem wunderbar gelegenen Campingplatz direkt an der Loire waren. Schon im Sommer 2006 hatten wir die verrückte Idee, noch einmal mit dem Zelt dorthin zu fahren, denn diese Utensilien hatten wir noch aus der Zeit unseres Wohnwagens dort. Außerdem, so glaubten wir, könnten wir dort etwas günstiger Urlaub machen. Aber zunächst hatten wir noch zwei ziemlich verrückte Flüge in Städte vor, in denen wir noch nie gewesen waren. So hatten wir im April einen Flug mit Air Berlin von Düsseldorf aus nach Wien gebucht. Der Flug startete morgens um 6.30 Uhr. Die Besonderheit aber, noch am gleichen Tag, nämlich um 22.30 Uhr startete unser Flug zurück nach Düsseldorf. Das war schon ein besonderes Erlebnis. Früh morgens waren wir bereits in Wien und starteten eine Besichtigungstour, die sich gewaschen hatte. Die Galerie unten soll diesen Wahnsinnstag ein wenig darstellen. Zu Hause waren wir übrigens wieder um 1.30 Uhr in der Nacht. Beim Abschied aus Wien verzehrten wir dann noch am Prater eine Österreichisch-Ungarische Spezialität – Lagosh. Das ist ein frittierter Teigfladen, der mit Käse und/oder viel Knoblauch eingerieben wird.

Wunderbares Frühlingswetter erwartete uns, als wir wegen eines Messebesuchs in Wiesbaden Rüdesheim als Übernachtungsort ausgesucht hatten. Viele Erinnerungen kamen hoch. Natürlich, beim letzten Mal als wir hier waren, war Loulou noch dabei. Aber auch die Erinnerung an unsere erste gemeinsame Fahrt nach Rüdesheim und auch an unsere englischen Freunde, mit denen wir hier soviel Spaß gehabt hatten! Auch wenn man bequem mit dem Auto zum Niederwald-Denkmal fahren kann, es ist immer wieder ein Erlebnis, das mit der alten Seilbahn zu tun. Wir genossen das.

Ostern war Chatillon wieder an der Reihe. Zum ersten Mal nach 3 Jahren würden wir wieder mit Jean und Bernadette zusammentreffen. Wir wollten natürlich unseren Zeltplatz für den Sommer aussuchen und reservieren. Früh morgens fuhren wir los. Kaum ein Halt unterwegs – nur zum Essen am Mittag. Wieder fielen wir auf eine französische Autobahn-Raststätte rein. Das Essen sieht toll aus, ist teuer – schmeckt aber nicht. Also zum einhundertsten Mal der Entschluss: „NIE WIEDER!“

Bevor wir allerdings unseren abenteuerlichen Zelturlaub in Chatillon begingen, gab es noch eine Wahnsinnstour. Anfang Juni flogen wir nach Kopenhagen. Dieses Mal würden wir aber über Nacht bleiben. Früh morgens um 2.00 Uhr fuhren wir los, damit wir unseren Flieger, der um 6.35 Uhr in Düsseldorf starten sollte, erreichten. Wer aber rechnet damit, dass mitten im Emsland die Autobahn gesperrt wird, weil dort ein Auto brannte. Die Feuerwehr ließ sich Zeit, man räumte alles weg und wir kamen in Zeitdruck. Was jetzt kam, war schon nervenaufreibend. Mit aller Gewalt versuchten wir, die Maschine nach Kopenhagen noch zu erwischen. Mit viel Glück schaffen wir das auch. Um 6.30 Uhr betraten wir als eine der Letzten das Flugzeug und nicht einmal 10 Minuten später startete es. Es folgte ein schöner sonniger Tag in Kopenhagen, den wir am Abend mit einem Besuch des Tivoli ausklingen ließen. Hier hatten wir vorher in einem Restaurant am Buffet teilgenommen. Das Buffet war ziemlich leer geräumt und es gab – auch im Behälter für Schweinefilet – Frikadellen. Seit dieser Zeit werden Frikadellen bei uns auch „dänisches Schweinefilet“ genannt.

Dann war da noch die Geschichte mit der Meerjungfrau. Natürlich wollten auch wir die weltberühmte Meerjungfrau sehen und fotografieren. Leider war der zweite Tag in Kopenhagen sehr verregnet. So kauften wir uns am Bahnhof zwei einfache Regenschirme und los ging es. Von der Haltestation bis zur Meerjungfrau waren es noch etwa 10 Minuten Fußweg. Bis dahin hatte der Wind unsere Schirme schon arg gebeutelt. Als ich dann schließlich am Ufer stand und das Denkmal fotografieren wollte, kam dort in der Nähe ein Reisebus an.

Dieser Reisebus setzte dort eine Gruppe japanischer Touristen ab. Das, was jetzt geschah, erklärt vielleicht mein etwas gespaltenes Verhältnis zu japanischen Reisegruppen. Diese Gruppe jedenfalls rollte auf mich zu wie eine Lawine. Und obwohl ich dort versuchte zu fotografieren, war es, als ob die mich nicht gesehen hatten. Die liefen mich einfach über den Haufen. Ich konnte gerade noch verhindern, dass ich ins Wasser fiel, was meinen Schirm aber nicht davon abhielt genau dorthin zu fliegen. Meinen Fotoapparat mit den Bildern der Meerjungfrau hatte ich in der Hand – also schnell weg hier, bevor die mich auch noch einfach mit nach Japan nehmen.

Und jetzt war es endlich soweit – wir starteten in den abenteuerlichen Sommer-Urlaub. Zum 20. Jubliläum fuhren wir nach Chatillon. Unsere Camping-Ausrüstung war damals schon eher antiquiert. Ansonsten waren wir richtig gut ausgestattet. Wir hatten einen Kühlschrank dabei, Küchenzubehör mit dem wir locker ein Restaurant hätten betreiben können und natürlich für den Schlafkomfort eine riesige aufblasbare Matratze. Wir mussten ja tagsüber ankommen, am besten morgens, da wir ja noch aufbauen mussten und das sicher eine ganze Zeit in Anspruch nehmen würde. Also hatten wir in der ersten Nacht ein Hotel etwa 60km vor Chatillon gebucht. Unser damaliges Auto, ein Ford Galaxy war randvoll – und da ging was rein! Bevor wir aber in Chatillon aufbauen konnten, mussten wir zunächst einkaufen. Das konnten wir nicht auf später verschieben, da wir Sonntag hatten und die Geschäfte hier nur bis Mittags geöffnet hatten.

Wir hatten wunderbares Wetter als wir ankamen, was auch wichtig war. Danach aber war alles ziemlich durchwachsen, viel Regen und die wunderbaren Abende vor dem Zelt konnten wir auch vergessen, da die richtige Sommerhitze nicht aufkommen wollte. In der Galerie gibt es nun einen kleinen Einblick in diesen Urlaub.

Wir hatten wieder einmal trotz des schlechten Wetters eine schöne Zeit in Chatillon gehabt. Das war in diesem Jahr die einzige Möglichkeit für einen längeren Urlaub. Dieser Urlaub war auch nicht sehr teuer geworden, da die Gebühren auf dem Campingplatz natürlich gering waren. Noch einmal gab es das „Petite Trink“ bei Jean und Bernadette, jeden Morgen kam Jean auf seiner Runde auf einen Kaffee bei uns vorbei – aber wir konnten nur einmal so richtig einen heißen Sommerabend auf dem Platz am Ufer der Loire genießen. In der letzten Nacht war es empfindlich kalt. Doch dann wurde es wieder richtig heiß und beim Abbauen schmiedeten wir Pläne für das nächste Jahr. Einmal würden wir das noch machen! Schließlich war 2008 das letzte Jahr, in dem Jean und Bernadette noch den Platz behüteten. Wir machten sogar schon eine Zeit ab und bestellten unseren Platz. Es würde da aber eine völlig andere Entwicklung geben! Etwas wehmütig verließen wir nach zwei Wochen (zum letzten Mal als Camper) den Platz der Plätze. Den Campingplatz am Ufer der Loire, wo wir doch so schöne Jahre erlebt hatten – natürlich auch mit unserer kleinen Loulou, die jetzt zum ersten Mal nach so vielen Jahren nicht mehr dabei war.

Tatsächlich – das Bild zeigt Prag, diese wunderbare alte Stadt an der Moldau. Sie wurde in keinem Krieg zerstört, der Charakter der Altstadt blieb erhalten. Eben diese Stadt hatten wir uns für einen Kurztripp zu unserem 24. Hochzeitstag am 25. November 2007 ausgesucht. Wir flogen am 24. November hin und kamen am 26. November zurück. Aber dazwischen passierte etwas sehr Eigenartiges. Diese Stadt versuchte uns abzuwerben von Paris, der Stadt, die wir für das nächste Jahr, nämlich unsere Silberhochzeit ausgewählt hatten. Essen und Trinken wurde in dieser Stadt großgeschrieben. Das gute Bier, die alten böhmischen Gerichte und diese Atmosphäre, die stets den braven Soldaten Schweijk oder aber Pan Tau hinter der nächsten Ecke vermuten ließ, verzauberten uns.

Diese kurze Fahrt machte uns neugierig auf mehr von diesem Land. Das Land, das so viele herrliche Kinderfilme, Märchen und natürlich auch Pan Tau hervorgebracht hatte, war es wert, bereist zu werden. Alleine das, was es dort zu essen gab. Einfach, deftig und gut. Bier, ob dunkel oder hell – immer wieder ein Genuss. Das, was Agnes da auf dem Foto vor sich hat, ist ein typisches böhmisches Gericht. Lendenbraten mit Sahnesauce und böhmischen Knödeln. Für das Rezept einfach anklicken.

Aber natürlich hielt uns auch diese schöne Reise nicht davon ab, Silvester wieder nach Paris zu fahren. Wir hatten dieses Mal sogar ein Orgelkonzert für den Silvesterabend in der alten Kirche Saint Severin gebucht, dort, wo wir im letzten Jahr eine Kerze für Loulou angezündet hatten. Es sollte eine tolle Fahrt mit einer überraschenden Erkenntnis werden. Aber vorher gab es noch das Weihnachtsmenü für uns Zwei – war wieder einmal viel!

 

Nach dem Menü hat man sich seine Zigarre verdient!

Unser Weihnachtsmenü 2007

Kapitel 12 ist hier zuende. Natürlich war das nicht immer lustig. Aber das gehört nun ja auch zum Leben dazu. Nur noch wenige Kapitel trennen uns von der Gegenwart. In Kürze geht ´s weiter! Und wie immer – wem unsere kleine Story gefällt, der spendet in unsere Kaffeekasse – wir nehmen alles an von 1 Euro bis hin zu einer Million. Und keine Angst – wir versteuern alles ordnungsgemäß.

Aux Bords de la Loire – an den Ufern der Loire XI

Kapitel 11 – Privat top – beruflich hopp!

Das Jahr 2003 war für uns privat eigentlich ein sehr schönes Jahr. Zum ersten  – und bisher auch einzigen Mal waren wir live bei einem Formel-1 Grand Prix in Hockenheim dabei. Formel 1 war schließlich eine Sportart, die uns beide begeisterte. Unsere Italienreise im Sommer war mindestens eben so mit Erlebnissen und Kultur gespickt, wie es Gothe auf seiner italienischen Reise erlebt haben dürfte. Beruflich jedoch zogen erst einmal dunkle Wolken über uns auf. Ich zog im September die Reißleine und beendete das Trauerspiel, indem ich mich als Versicherungsmakler selbstständig machte. Das wiederum erboste meine bisherige Gesellschaft derart, dass es zu einem erbärmlichen Rosenkrieg kam, der letztlich erst 6 Jahre später mit einem Vergleich vor dem Landgericht in Hamm endete.

Damit soll auch genug sein von dieser für uns schrecklichen Geschichte, die uns viele Jahre unseres Lebens kostete. Wie in jedem Jahr, so planten wir auch in diesem Jahr einigermaßen spontan Wochenendfahrten, aber natürlich auch unseren Sommerurlaub, der uns dieses Mal durch die Kultur Italiens führen sollte. Der berufliche Wandel, der sehr plötzlich kam, belastete uns jetzt noch nicht, eine Ahnung allerdings hatten wir dann im Sommer. Sehr schöne Bilder entstanden während einer Tagesfahrt mit unserer Nichte und unserem Neffen nach Amsterdam. Da sie auch sehr bekannt sind, möchten wir diese Bilder heute hier zeigen.

Ja, so sah das damals in Paestum aus. Etliche Kilometer südlich von Neapel. Aber um einmal einen Überblick zu schaffen, was wir damals eigentlich für eine Tour gemacht haben, so lief das:

Start war am 09 Juli 2003. Zunächst fuhren wir bis Garmisch-Patenkirchen, wo wir erfahren mussten, dass man dort noch nicht darauf eingestellt war, dass man in einem Hotel auch nur eine Nacht vebringt. Nach einem langen Tag im Auto kamen wir gegen 18.00 Uhr im Hotel an. Alles war super, jedoch das angekündigte Hallenbad war wohl nicht geöffnet. So musste ich auf die Erfrischung verzichten. Gegen 19.00 Uhr gingen wir in den Außenbereich des Restaurants, wo wir auch einen angenehmen Platz fanden.Dort waren schon einige Gäste mit dem Abendessen fertig und man fragte uns, ob wir denn noch etwas essen wollten! Für uns als Kenner südlicher mediterraner Gebräuche war das schon etwas eigenartig. Wir bekamen aber noch etwas zu essen. Während Agnes sich für die Fruchtkaltschale als Vorspeise im einzig angebotenen Menü entschied, nahm ich die Knoblauchspaghettis, die ich selbst nicht besser hätte machen können: Spaghetti mit geviertelten Knoblauchzehen in Buttersauce schwimmend. Der Hauptgang war dann Roastbeef (natürlich kalt), danach gab es noch Panna Cotta. Dazu tranken wir jeder zwei halbe Liter Bier, die wenig Alkohol, dafür aber viel Masse hatten. Nach einem kurzem Spaziergang, den Loulou noch zu einem kleinen Haufen vor dem Hotel nutzte, begaben wir uns um etwa 21.00 Uhr ins Bett und schliefen sofort ein.

Aber dieses Hotel, dass sich im Internet als international versiert verstanden haben wollte, hatte noch mehr an spießigen, bayerischen Schoten zu bieten.

Wir hatten wunderbar geschlafen und freuten uns auf ein fürstliches Frühstück. Doch dabei sollte die erste Panne des Urlaubes passieren. Wir gingen hinunter in das Restaurant, wobei wir an der Bedienung vorbeiliefen. Diese schaute sich in aller Ruhe unsere Ratlosigkeit bei der Suche nach dem richtigen Platz an, wartete jedoch, bis wir uns hingesetzt hatten. Dann kam sie zielstrebig auf uns zu und teilte uns mit, daß wir uns an den falschen Platz gesetzt hatten. Wir mussten ihr in einen angrenzenden Saal folgen, wobei uns die übrigen Gäste beobachteten und den Vorfall genüsslich beschmunzelten. Der Saal war lieblos eingedeckt, wir saßen auf Plastikstühlen, durften uns jedoch vom Buffet nehmen so viel wir wollten, wie sie uns noch unbedingt laut genug sagen musste. Da wir wussten, eins der teuersten Zimmer des Hotels gehabt zu haben, war der Entschluß schnell gefallen, hier nie wieder zu nächtigen.

Nachdem wir gepackt hatten, bezahlte ich an der Rezeption, wurde jedoch deutlich darauf hingewiesen, daß man Barzahlung oder EC-Kartenzahlung bevorzugen würde, da diese nicht so teuer für das Hotel wären. Internationale Selbstverständlichkeiten waren im Nachkriegs-Bayern eben noch nicht so durchgedrungen. Nicht weniger als 10 veschiedene Kreditkarten aus aller Welt waren an der Rezeption angeschlagen. Da hätte man doch wohl die gängigste, nämlich die Mastercard nehmen können. Spätestens jetzt wussten wir, warum wir so gerne ins Ausland fuhren. Dort war alles anders und vor allen Dingen nicht so spießig. Nun aber unsere Route für die nächsten 14 Tage:

Filsum – Garmisch-Patenkirchen – Bozen (Besichtigung Ötzi-Museum) – 2 Tage Trient mit Stadt- und Schlossbesichtigung – Orvieto (mit Altstadtbesichtigung, Rom-Tour und Besichtigung Civita di Bagnio Regio. sowie diverser kleiner Sehenswürdigkeiten) – Frascati – Frosinone (von hier aus nach Sperlonga mit Besichtigung der gigantischen Steinfiguren und des Odysseus-Felsens) – Abtei Fossanova – Kloster Monte-Cassino – Besteigung des Vesuvs – Besichtigung von Pompeii – Paestum und dann noch ein paar Tage Relax am Bolsener See und auf der Rückfahrt noch einmal Bozen am Abend und am Ende Veitshöchsheim bei Würzburg. Na, war das ne Tour? Zwei herausragende Ereignisse möchte ich jedoch genauer beschreiben.

Ja. das war tatsächlich auch der Blick aus unserem Hotelzimmer, über die Ausgrabungsstätte in Pompeii hinweg bis hin zum Vesuv. Natürlich hatten wir den als erstes bestiegen. Klar, abwechselnd, weil Loulou die letzten 600 Meter nicht mit durfte. Während einer unten wartete, ging der andere hinauf und sah in den aufregenden Krater hinein, der schon so oft die tödliche Lava ins Tal gespuckt hatte. Am Abend im Hotel brauchten unsere Füße dann aber viel Erholung.

Wir waren in Pompeii, wir hatten ein wunderbares Zimmer, genau gegenüber der Ausgrabungsstätte, an deren Horizont sich der Vesuv bedrohlich erhob. Alles also wie im Traum. So war auch Neapel. Wir fuhren mit dem Zug dorthin.Ein Markt, der nicht uriger häte sein können, jedoch gespickt mit Menschen, die eine deutlich andere Rechtsauffassung haben als wir. Ich wurde klassisch ausgekontert und mir wurde das Portemonnais gestohlen. Wie ich später feststellte, jemand, der mit einer Tragetasche voller Geldbörsen und einer langen Pinzette (ca. 30cm) völlig ohne Skrupel durch das Marktgedränge lief. Wir mussten, das wusste ich, eine Anzeige bei der Polizei machen. Die jedoch behandelte uns eher wie die Täter. Englisch sprach man nicht – nur mit zwei Blondinen, die einen Ausschnitt bis zum Bauchnabel vorweisen konnten, sprach man sogar fließend Englisch. Als wir alles endlich erledigt hatten, ging es zurück zum Hotel. In unserer Not rief ich zunächst in der deutschen Botschaft in Rom an. An diesem Sonntag, man stelle sich das vor, gab es in diesem Haus, das immerhin deutsches Hoheitsgebiet war, niemanden der Deutsch oder wenigstens Englisch sprechen konnte. Ich hoffte, dass die wenigstens mitbekommen hatten, dass der Krieg vorbei war.

Als wir im Hotel zurück waren, versuchte man dort, uns zu helfen. Ich setzte mich sofort an den für Gäste vorgesehenen PC und recherchierte, was zu tun war. Ich hatte am Morgen 150 Euro Bargeld gezogen. Gut, die waren weg. Aber die EC- und Kreditkarten und natürlich beide Ausweise. Ohne die könnten wir in Italien in keinem Hotel einchecken. Die Lösung war ganz einfach. Die Karten, die ich bei mir hatte, konnte ich sofort sperren lassen. Die, die Agnes bei sich hatte, konnten wir weiter benutzen. Einen Ersatzausweis konnten wir beim deutschen Generalkonsulat bekommen. Dorthin fuhren wir am Montagmorgen. Agnes konnte sich noch mit ihrem Führerschein ausweisen. Darum musste sie nun eine eidesstattliche Versicherung abgeben, dass ich wirklich ich bin. Es wäre die Gelegenheit gewesen… Auch die Dame im Konsulat scherzte zu diesem Thema. Wir ließen dann noch Fotos für unseren Ersatzausweis machen und nur einen halbe Stunde später konnte unser Urlaub nach einem Tag Unterbrechung mit einen Espresso weitergehen. Unsere Ersatzausweise jedoch, sind irgendwie lustig geworden und wir haben sie immer noch. Aber wie soll man schon aussehen, wenn man sich bei 40°C Außentemperatur in einem 10m²-Fotostudio fotografieren lässt.

Wir sahen in den kommenden Tagen jede Menge schöner Dinge. Als wir dann zurückfuhren, hatten wir jede Menge Ideen, was wir in den noch verbleibenden Tagen in Orvieto machen würden. Dort nämlich wollten wir den Urlaub gemächlich ausklingen lassen, bevor wir in Richtung Bozen zurück über Würzburg nach Hause fahren wollten. Noch einmal verbrachten wir sehr schöne Stunden am Bolsena-See, dort wo unsere kleine Loulou sich doch so wohl gefühlt hatte. Ihr Blick schweifte über den See, nachdem sie sich darin abgekühlt hatte. Hatte sie sich im letzten Jahr doch noch sehr gewehrt, von hier wegzugehen, so fiel ihr in diesem Jahr die Entscheidung nicht schwer, ganz schnell ins Auto zu springen. – Wussten wir doch insgeheim, dass Loulou dieses Fleckchen Erde nicht noch einmal wiedersehen würde.

Schon eine Woche nach unserer Rückkehr fuhren wir dann mit Bekannten nach Hockenheim zum Formel1-Grand Prix von Deutschland. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, das alles hier von der Mercedes-Tribüne aus zu erleben. Natürlich hatten wir auch tropisches Wetter. Auch wurde uns klar, dass die drei Tage ziemlich anstrengend waren, wenn man alles sehen wollte, was einem geboten wurde. Kurz nachdem wir wieder zu Hause waren, stand dann auch schon die Entscheidung an, meinen Job zu kündigen. Ein harter Weg sollte folgen und ich musste mich schon einmal wieder berfulich neu aufstellen. Hat aber auch funktioniert. Trotzdem hatte dieses Ereignis auch einen nicht unwesentlichen Einfluss auf unser Ess- und Reiseverhalten. Da wir gar nicht wussten, was denn nun so auf uns zukommt, fuhren wir in diesem Jahr zu Silvester nicht weg und Weihnachten sollte es auch kein Menü, sondern einige rustikale Spezialitäten zum satt Essen geben. Heraus kam dann aber ein Menü, an dem etwa 12 Personen hätten satt werden können.

Tiroler Brettlspeck

Diesen Speck hatte ich in wochenlanger Arbeit selbst zubereitet. Man braucht ein gutes Stück Bauchfleisch, das mit diversen Gewürzen und natürlich Pökelsalz eingerieben wird. Alles muss dann etwa 4 Wochen kühl und möglichst dunkel liegen. Nach dieser Zeit ist das Pökelsalz vollständig durchgebrannt. Während der Zeit im Kühlschrank sollte man alle paar Tage nachschauen, falls sich Schimmel bildet. Diesen dann sofort abwischen.Nach den vier Wochen wird der Speck dann noch für ca. 24 Stunden im Buchenholz kaltgeräuchert.

Melone mit Parmaschinken

Ein Klassiker unter den Vorspeisen. Der Parmaschinken ist natürlich nur echt, wenn er eben von dort kommt. Aber auch ein Seranoschinken aus Spanien leistet für diese Vorspeise beste Dienste. Mein skurrilstes Erlebnis mit dieser Vorspeise begab sich bei einem Essen mit Bekannten in einem jugoslawischen Restaurant. Dieser Bekannte war Metzger und daher wohl jemand, der sich kein Obst am Fleisch vorstellen konnte. Also bestellte er als Vorspeise einen Teller mit Tzatziki (hat mich auch gewundert, dass es so etwas hier gab) und Melone mit Parmaschinken. Die Melone sollte die Küche aber weglassen. Vom immerhin etwa 2 Jahre gereiften Schinken nahm er eine ganze Scheibe, zog sie durch den Tzatziki bevor sie dann im Ganzen in seinem Mund verschwand. Das machte er insgesamt dreimal. Wir waren nie wieder zusammen essen.

 

Europa-Platte

So nannte ich das Hauptgericht. Diese „Fressorgie“ bestand aus 5 verschiedenen Gerichten, die alle für sich als Hauptmahlzeit völlig ausgereicht hätten. Wir taten seinerzeit gut daran, nicht Silvester wegzufahren, denn bis dahin brauchten wir, um alles zu verzehren.

Entenbrust mit Rotwein-Karamell-Sauce

Während mit den Vorspeisen am Heiligen Abend nicht viel Arbeit war, da diese eigentlich nur noch auf den Teller gelegt werden mussten, ging es jetzt aber so richtig los.Dieses Gericht passt übrigens auch durchaus in den Herbst und ist eigentlich kein typisches Weihnachtsgericht. Auch wenn es tatsächlich schon 14 Jahre her ist, dass ich dieses Gericht für uns gekocht habe, ein Rezept gibt es immer noch. Hier steht es.

Rindsmedaillon mit Käse und Schinken

Für dieses Gericht braucht man kein Rezept. Die Medaillons werden mit einem Fleischband in der Mitte etwas geschnürt, damit sie nicht zusammenfallen. Mit etwas Thymian, Rosmarin und Knoblauch für einige Stunden in Olivenöl marinieren. Von beiden Seiten scharf anbraten (ca. 3 Minuten auf jeder Seite). Dann in den auf 140°C Ober-/Unterhitze vorgeheizten Backofen geben und dort noch etwa 20 Minuten weitergaren. Eine Scheibe Schinken und etwas Goudakäse oben drauf legen und noch einmal für 5 Minuten überbacken.

Himmel und Erde

Dieses Gericht trifft man in Westfalen, im Rheinland, in Niedersachsen und natürlich auch in Schlesien. Es ist ein Kartoffelpüree mit Apfelmus, der meistens mit Zwiebeln, Speck und gebratener Blutwurst serviert wird. Kartoffeln wurden früher in vielen Regionen, wie übrigens auch heute noch, Erdäpfel genannt. So entstand der Begriff Erde für den die Kartoffeln stehen. Die Äpfel an den Bäumen wurden zum „Himmel“ in diesem Gericht. Ein Rezept gibt es hier.

Schlesisches Himmelreich

In Schlesien verstand man darunter einen geräucherten Schweinebauch, der mit Backobst, Zimt und Zitronenschale gekocht wird. Aus der Brühe wird eine Mehlschwitze hergestellt. Dazu servierte man in Schlesien gerne Knödel. Viel Spaß beim Nachkochen!

Gebratene Maiskolben mit Speck

Das war dann noch die Krönung obendrauf. Die Maiskolben wurden zunächst 10 Minuten gekocht, dann gebraten. Danach mit Bacon umwickelt und noch einmal kurz in die Pfanne bis der Bacon kross gebraten war.

Das Dessert, das nicht sein kann!

Kirschtörtchen mit Kohl

Das Tüpfelchen auf dem „i“ fehlte einfach noch. Aus der Absicht, etwas Einfaches zu machen, wurde eine Mega-Vorstellung, die man ganz bestimmt nicht mit einem normalen Dessert beenden konnte. Ich erinnerte mich damals an ein sehr außergewöhnlich klingendes Rezept aus dem französischen Burgund. Man servierte dort Kirschtörtchen mit Kohl. Wie das geht? Hier ist das Rezept.

Im jetzt folgenden Jahr 2004 mussten wir viel daran arbeiten, die neue Versicherungsagentur aufzubauen. Schließlich begannen wir ja fast bei Null. 2003 waren wir im November 20 Jahre verheiratet. Die fällige Feier mit unseren Nachbarn verlegten wir auf den 3. Juli 2004. Da wir uns auch damals schon nicht auf den ostfriesischen Sommer verlassen konnten, liehen wir uns ein Zelt und mit Unterstützung unserer Familie gelang an einem regnerischen Tag dieses Fest. Mit netten Menschen, die einfach nur schlecht waren, hatten wir auch zu tun. Eine Nachbarin, die heute nicht mehr hier wohnt, rief extra gleich morgens gut gelaunt an, als es in Strömen regnete. Sie wollte uns nur sagen: „Jedem das, was ihm zusteht“. Wenn ´s nicht zum Weinen wäre, müsste man glatt drüber lachen. Einige Impressionen von unserer damaligen Feier möchte ich gerne in der folgenden Galerie zeigen. Da erkennt man sicher das ein oder andere bekannte Gesicht. Einfach auf das Bild klicken und schon kann man die Galerie durchblättern.

Das Jahr war insgesamt eher schwierig, jedoch stürzte ich mich weiter in ein Hobby – KOCHEN! So begannen wir, einmal im Jahr ein 5-Gänge-Menü für unsere Eltern  – und natürlich unsere Oma zu kochen. Agnes war für die Deko zuständig, ich fürs Kochen. Also eigentlich genauso, wie wir es noch heute machen. Ich hatte ja viele Rezepte für dieses Kapitel versprochen. Daran möchte ich mich natürlich jetzt auch halten. Beginnen wir also mit unserem Weihnachtsmenü 2004. Ich hatte sogar ein Amuse Geule, also einen Gruß aus der Küche vorgesehen. Köche lassen manchmal scherzhaft los, dass ein Amuse Geule, also der Gruß aus der Küche auch mit „das, was weg muss“ übersetzt werden kann. Nun, ich weiß, dass ich das nicht so gehalten habe. Leider habe ich nach 13 Jahren vergessen, was ich mit dem Amuse Geule „Altdeutscher Traum“ auf den Tisch gebracht habe. Ist aber nicht so wild – hier kommen die anderen Gerichte.

Vorgericht: Elsässer Salat

Wie oft hatten wir schon vor, einmal ins Elsass zu fahren. Leider blieb es immer bei der Stipvisite. Einen längeren Aufenthalt, den wir geplant hatten, mussten wir leider wieder absagen. Erst Jahre später verbrachten wir einige schöne Tage im Elsass. Wir hatten außerdem das große Glück, in dem Hotel, das man auf dem Bild auf der rechten Seite des Kanals sieht, wohnen zu dürfen. Dass aber im Elsass gutes Essen gemacht wird, das wussten wir schon immer. Hier gibt es das Rezept zum Salat.

1. Hauptgericht: Hirschrücken-Steak mit Kaffee-Zimt-Sauce und Preiselbeerknödel

Ja, richtig gelesen. 1. Hauptgericht! Ich war vermessen genug, zwei Hauptgänge anzurichten. Wir hatten in Frankreich gelernt, dass man problemlos vier, fünf oder auch mehrere Gänge essen kann. Wichtig ist immer, die einzelnen Portionen nicht zu groß zum machen und auch langsam zu essen. Für dieses Gericht gibt es noch kein Rezept. Mein altes Rezept habe ich nicht mehr, also muss ich das wieder neu ausprobieren. Wenn ich es hin bekomme, so gibt es dieses Rezept pünktlich zu Weihnachten.

Nur unterbrochen von einem einfachen Orange-Campari-Sorbet als Geschmacksneutralisierer ging es dann gleich ans 2. Hauptgericht. Das Sorbet ist übrigens sehr einfach. Man mischt Orangensaft und Campari nach Geschmack, friert es in einem Behälter ein und zerkleinert es kurz vor dem Servieren.

2. Hauptgericht: Gänsebrust mit gekräuterter Whiskey-Sahne-Sauce und Rotkohlschaum

Wir hielten uns an französische Vorbilder – viele verschiedene Gänge aber nie zu viel. So ging dann auch noch dieses 2. Hauptgericht. Hier ist das Rezept für die Gänsebrust. Den Rotkohlschaum findet man hier.

Dessert: Warmer Reblochon mit Früchten und Champagner-Zabaione

Wenn schon, denn schon. Das Dessert mit dem edlen Käse kombinieren, ist meines Erachtens eine geniale Idee. Ich darf das sagen, denn die Idee ist ja nicht von mir. Nach einem solchen Menü muss es aber auch ein edles Dessert geben. Champagner-Zabione klingt edel, ist edel – aber einfach zuzubereiten. Das Käse-Dessert mit dem Reblochon findet man hier.

Ja, die Rezeptflut geht noch weiter. Pfingsten 2005 gab es unser Spargelmenü für unsere Eltern und unsere Oma. Die muss wirklich immer extra erwähnt werden. Sie war die Einzige in diesem Kreis, die vorbehaltlos alles probierte. Und sie war auch die Einzige, die von diesen Herrschaften sagen durfte: „Ich mag keine Austern“. Sie hatte die nämlich bei uns probiert. Jetzt also das Spargelmenü mit den Rezepten (einfach anklicken):

Es gibt auch eine Fotostrecke von damals. Sie zeigt unsere Eltern und unsere Oma bei diesem ominösen Spargelmenü. Einfach das erste Bild anklicken und die Galerie geht auf.

Das war das 11. Kapitel unserer Story. Ich hoffe, ich konnte Anregungen zum Kochen geben. Eigentlich müsste für jeden etwas dabei gewesen sein. In vier Wochen folgt Teil 12. Wieder kann ich von Reisen und Essen berichten. Da das digitale Zeitalter so langsam bei uns eingekehrt war, sind Fotos und sonstige Aufzeichnungen natürlich besser erhalten. Gespannt sein kann man auf Rezepte – von einfach bis exotisch. Und wie immer – wem unsere kleine Story gefällt, der spendet in unsere Kaffeekasse – wir nehmen alles an von 1 Euro bis hin zu einer Million. Und keine Angst – wir versteuern alles ordnungsgemäß.

Aux Bords de la Loire – An den Ufern der Loire X

Kapitel 10 – eine neue Zeit beginnt

Wie schon öfter, so waren wir auch zum Jahreswechsel 2001/2002 in Paris. Für uns war das einfach auch ein bisschen Heimat geworden. Das lag natürlich auch daran, dass wir langsam die alten Pariser Viertel für uns entdeckten. Am 01. Januar 2002 ging ich dann morgens sehr früh zum Geldautomaten vor dem Hotel. Zum ersten Mal zog ich das neue Geld – Euro. Ab jetzt würden wir durch Europa tingeln können ohne an jeder Grenze anderes Geld zu benötigen. Unsere ersten Euros gaben wir dann sehr stilvoll im alten Pariser Edel-Café „Les Deux Magots“ aus. Hier, wo alles, was Rang und Namen hatte, schon gesessen hatte, begüßten wir die neue Währung.

In diesem Jahr tourten wir natürlich wieder reichlich durch die Gegend. Es gab einen Wochenendausflug nach Amsterdam, wir fuhren mit Bekannten nach Belgien. In vier Tagen in Chatillon-sur-Loire, unserer Wahlheimat, sahen wir mehr als sonst im gesamten Sommerurlaub. Eine ebensolange Fahrt nach Belgien machte uns mit diversen Abteien bekannt. Am Ende des Jahres aber weilten wir wieder mit unserer kleinen Loulou in Paris. Hier entschlossen wir uns damals dazu, einmal in einem Restaurant mit Einheimischen zusammen zu feiern. Ein festliches Menü und viele nette Menschen machten das zu einem ganz besonderen Erlebnis. Für den Sommer hatten wir uns dann aber wieder Italien ausgesucht. Da wir aber auch endlich wieder nach Frankreich durften, entschlossen wir uns für eine herrliche Strecke. Wir fuhren zunächst nach Südfrankreich, besichtigten Abteien und genossen das wunderbare Essen in der Provence. Danach ging es dann weiter an die Côte d´Azur. Wir hatten uns für die Übernachtung dort ein Hotel der van-der-Valk-Gruppe ausgesucht. Das war für französische Verhältnisse zwar günstig und trotzdem komfortabel, jedoch waren wir hier inmitten holländischer Pauschaltouristen. Es war so manches Mal richtig problematisch, der Bedienung klar zu machen, dass wir gar kein niederländisch verstanden. Dazu kam, dass die angebotenen Speisen dann doch eher wenig an Frankreich erinnerten.

 

Mit diesem wunderbaren Blick von oben auf Monaco verabschiedeten wir uns aus Frankreich – und das bei strahlendem Sonnenschein, der uns nach Italien begleiten sollte. Fast drei Tage hatten wir Dauerregen in Südfrankreich – das geht gar nicht. Jetzt aber ging es in das Hotel Vanucci in der Nähe von Perrugia.

Wer aber glaubte, daß der Dauerregen und die holländischen Pauschaltouristen schon alle Katastrophen dieses Urlaubes waren, der irrte. Der sagenumwobene „Super-GAU“ sollte an diesem  Tag in Italien eintreten. – Gut das wir davon vorher noch nichts wussten!

Kurz vor der italienischen Grenze machten wir noch einmal Halt auf einem Parkplatz hoch über Monaco, wo wir das Mittelmeer in den schönsten Farben im Glanz der Sonne bewundern konnten. In Höhe von San Remo machten wir Rast und tranken den ersten italienischen Cappuccino auf der Terrasse eines Lokals, wobei wir fast in der Sonne schmolzen. Wir genossen das Wetter aber und fuhren gut gelaunt weiter.

Aber schon in Genua holten wir die von Frankreich abgezogene Gewitterfront ein. Es donnerte und regnete, was das Zeug hielt. In Höhe von Carrara jedoch zeigte sich dann wieder das schönste Sommerwetter und der blaue Himmel Italiens. Bei weit über 30°C durchquerten wir die Toscana. Wir waren schon in bester Urlaubsstimmung, als kurz hinter Florenz wieder ein Gewitter aufzog und es Bindfäden regnete. Irgendwann hatten wir dann Citta de la Pieve erreicht und – konnten das Hotel nicht finden. Nach langem Suchen schien dann aber alles gut zu werden. Was dann aber geschah, möchte ich  Niemandem vorenthalten.

 

Bei der Buchung hätte mir auffallen müssen, daß der Preis zu gering für ein gutes Hotel war. Dennoch war ich über dieses angebliche Schnäppchen zunächst reichlich erfreut. Als wir nach fast einstündigem Suchen und völliger Verzweiflung mit Hilfe eines Tankwartes endlich das Hotel gefunden hatten, sah es tatsächlich von außen fast aus wie im Internet. Auch die Empfangshalle konnte sich sehen lassen. Eine Dame mittleren Alters empfing uns an der Rezeption. Dann aber der erste Schock: Auf die Frage, ob sie englisch spräche (schließlich war das im Internet angekündigt) kam die Antwort in gebrochenem, mit starkem italienischen Akzent gesprochenem Englisch: „Not very well!“. Wenn jemand gefragt würde, ob er deutsch spräche und er darauf antwortete: „Das ist alles!“, dann wäre das das Gleiche gewesen. Die Dame, die die Chefin zu sein schien, gab sich aber alle Mühe, half uns dann sogar, unser Gepäck auf das Zimmer zu bringen. Als wir dann zum ersten Mal einen Bereich des Hotels betraten, der nicht im Internet zu sehen war, nämlich den ersten Stock, fiel uns der Kinnladen bereits bis an den Anschlag herunter. Wir hätten dabei aber etwas Spielraum ür die weiteren Überraschungen lassen sollen. Die Dame führte uns bis in den dritten Stock und brachte uns dort in einen langen, schmucklosen, schlecht gelüftet riechenden Gang, wobei sie uns zwei Zimmer zeigte, von denen wir uns eines aussuchen durften. Spätestens jetzt mussten wir unseren erstaunten Mund schließen, da sonst wohl der Kieferknochen ausgehakt wäre. Ein absolut geschmackloses, mehr als einfach eingerichtetes Zimmer mit zwei freistehenden Betten, deren Matratzen völlig deformiert waren. Die Matratzen mussten wir später umdrehen, um nicht aus den übermäßig hohen Betten zu fallen. Über dem Fernseher stand ein alter völlig verstaubter Ventilator, dessen Inbetriebnahme mit einem Kurzschluß enden dürfte. Das Badezimmer war relativ groß, die Dusche mit einem Abfluß und einer Mulde im Fußboden, war mitten im Badezimmer untergebracht. Wenn man sich die Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts ( Fernseher, Dusche und Plastik-Ventilator) wegdachte, hatte man eine Vorstellung, wie das Zimmer Vincent van Goghs in der Irrenanstalt von St. Remy de Provence ausgesehen haben musste.

Das ist das nachgebildete Van-Gogh-Zimmer in St. Remy

Das ist das nachgebildete van-Gogh-Zimmer in St. Remy

Umbrien war wirklich schön. Ruhig sollte es hier sein und vor Kultur nur so wimmeln. Aber es war hier auch eine erdbebengefährdete Gegend. Gerade einmal 5 Jahre war es her, dass hier ein verheerendes Erdbeben viele Kulturgüter zerstört hatte, die die Grundlage des Tourismus sind, der hier die Haupteinnahmequelle ist. Man hatte alles inm Akkordzeit wieder hergestellt. Und wir freuten uns natürlich auf Asissi, Perugia und all diese wunderbaren Städte.

Wir begannen damit, das Hotel schön zu reden. Wir hätten dazu ehrlicherweise aber eimerweise hochprozentigen Alkohol gebraucht. Nach einer kurzen Relax-Phase wollten wir dann ins Restaurant zum Essen gehen. Wie immer in Italien wollten wir Loulou auf dem Zimmer lassen. Loulou jedoch verkroch sich in eine Ecke und schaute mich mit großen Augen an, als ob sie mir sagen wollte: „Bitte lasst mich hier nicht alleine zurück! – Sonst bin ich tot, wenn ihr wiederkommt.“ Also nahmen wir sie mit ins Restaurant, was auch erlaubt war und uns ein bisschen positiver stimmte. Dann erschien die Bedienung, vermutlich ein Azubi. Die junge Dame sprach fast so gut englisch wie ich chinesisch. Trotzdem gelang es uns, einen Grillteller und Pasta sowie eine große Karaffe Rotwein zu bestellen. Hätte ich gewusst, dass sie koreanischi spricht, wäre sicher alles einfacher gewesen. Sie hatte uns nicht darauf hingewiesen, dass wir uns auch am Antipasti-Buffet bedienen durften, so ließen wir es dann auch. Die Pasta war gut – aber Nudeln hätte ich auch kochen können. Der Wein erfüllte uns mit Schrecken: allerbilligster Lambrusco! Der Grillteller bestand aus einem verknorpelten Rippchen, einer aufgeplatzten Wurst und einem dicken Stück Speck. Wir versuchten uns nochmals einzureden, dass alles halb so schlimm sei und wir ja schließlich nur zum Schlafen im Hotel wären. Nach dem Essen wurde uns weder ein Dessert noch ein Kaffee angeboten. Also machten wir uns schnell aus dem Staub und spazierten in die Stadt, deren Größe etwa der Hälfte des Chikagoer Zentralfriedhofs entsprach, deren Atmosphäre allerdings als doppelt so tot zu beschreiben war. Den Schlußpunkt setzte Loulou mit einem großen Haufen mitten auf die Hauptstraße – aber keine Angst: wir waren hier ja alleine!

Aus dem geplanten, ersten Abend in Italien, der natürlich romantisch wie in Venedig werden sollte, wurde ein Abend mit einer Atmosphäre wie am Tag nach der Explosion des Klärwerks in Wanne-Eickel. Um wenigstens in Ruhe einschlafen zu können, redeten wir uns ein, das Essen wäre passabel gewesen. So kam es dann in meinem Notizbuch zum Eintrag „Essen o.k.“. Der Eintrag „3.-klassig“ wäre 24 Stunden später wohl eher als „unterste Schublade“ in das Notizbuch geraten.

Unter den Klängen viertklassiger – aber lauter – Discomusik, die immerhin live gespielt war und nebenan veranstaltet wurde, versuchten wir diese erste Nacht in Italien hinter uns zu bringen. – Und siehe da: schon gegen halb vier Uhr morgens verstummte die Musik und wir konnten noch einige Stunden schlafen, ohne aber vergessen zu dürfen, uns am Bett festzuhalten.

Als wir aufwachten, konnten wir es gar nicht glauben: Wir hatten nicht geträumt, wir waren immer noch im Hotel Vannucci. Der Blick aus dem Fenster bescherte mir eine schöne Aussicht auf die Hügel Umbriens im Regen. Positiv eingestimmt ging ich ins Badezimmer und duschte mich. Als ich hinter der Abtrennung hervor kam, traute ich meinen Augen nicht: das Badezimmer stand etwa 5 cm unter Wasser. Laut fluchend begann ich meine Morgengymnastik, die heute einmal das Aufwischen des Badezimmers beinhaltete. Natürlich war Agnes meine doch etwas ungewöhnliche Betätigung aufgefallen. Aber erst als sie ins Bad schaute, merkte sie, dass auch sie im Wasser stand. Dieses hatte sich nämlich längst einen Weg ins Schlafzimmer gebahnt.

Nachdem wir alles trockengelegt hatten, gingen wir zum Frühstück. Ein überaus angenehmer Frühstücksraum erwartete uns: dunkle Ecken, eine ohrenbetäubend lärmende Kaffeemaschine, eine schlampige ältere Dame, die wohl irgendwie zum Personalstab des Hotels gehörte, ein kaffeeschlürfender älterer Herr am Nachbartisch sowie auf einem Bistrotisch in der Mitte des Raumes etwas Marmelade und vier Scheiben Zwieback (vermutlich das Frühstücksbuffet). Als wir unseren Kaffee bestellt hatten, fragte man uns, ob wir womöglich auch noch Brot, Schinken und Käse haben wollten. Da wir das bejahten, brachte man uns einige Scheiben Käse und Kochschinken, Butter und reichlich vertrocknetes (reichlich im Sinne von extrem!) Tjabatta-Brot. Spätestens jetzt fiel in unseren Köpfen eine gleichlautende Entscheidung, wie wir später im Zimmer feststellten:

Schnell weg hier !

 

 

Unsere Entscheidung war also gefallen: Wir würden einen Urlaubstag opfern, um einen schönen Resturlaub zu haben. Wir nahmen uns vor, uns zunächst nach einem neuen Quartier umzuschauen, um dann in Citta de la Pieve unsere Sachen zu packen. Wir machten eine sehr schöne Rundtour. Nach Chianciano Terme, Chiusi, Montepulciano und dem Trasimenischen See kamen wir dann auf die Idee, nach Orvieto zu fahren, welches nur etwa 50 km entfernt direkt an der Autobahn nach Rom lag. Als wir in Orvieto abfuhren, fielen uns sofort drei Hotels ins Auge, die zwar eine gute Lage, aber sonst wohl nichts zu bieten hatten. Orvieto an sich schien aber ein guter Standort zu sein. Plötzlich fiel mir ein Hinweisschild zu einem Hotel mit 3 Sternen auf. Das Hotel „Oasi dei discepoli“ warb um Gäste. Wir fuhren diesem Schild nach und erreichten einen Ortsteil von Orvieto mit Namen „Sferracavallo“. Dem Hinweisschild folgend standen wir plötzlich vor einem zerfallenen Gebäude, welches aber zu Glück nicht zum Hotel gehörte. Die piniengesäumte Auffahrt zum Hotel lag nur direkt daneben.

Es waren kaum Autos hier, trotzdem wagte ich, einzutreten. Es schien eine andere Welt zu sein. Polierter Marmor auf dem Fußboden, rote Ledersofas und -sessel und eine Buchenholz-Rezeption mit einer Hotelbar. Der Portier, der offenbar auch der Hoteldirektor war, konnte mir sofort ein Zimmer für sieben Tage zusagen. Ich nahm an und war dann auch noch sehr angenehm über den Preis überrascht. Wir konnten gar nicht glauben, das wir wirklich das Glück gehabt hatten. Jetzt aber hieß es: „Zurück ins Grauen!“. Kurz vor Citta de la Pieve machten wir einen kleinen Stop an einem Supermarkt und „feierten“ unseren Erfolg auf dem Parkplatz, in dem wir auf dem Rasen an der Seite ein kleines Picknick machten. Danach verfinsterten sich unsere Mienen und wir teilten der Dame an der Rezeption des Hotels Vannucci mit: „Ritorno – Germania – subito!“ Das war natürlich alles andere als Italienisch – aber immer noch um Längen besser als ihr eigenes Englisch. – Und verstanden hat sie es auch. Gleichwohl hatte sie einiges Mitleid mit uns und sagte uns, dass es kein Problem sei, dass wir schon jetzt wieder abreisten. In nur 15 Minuten hatten wir das gesamte Gepäck wieder verstaut, drei Stockwerke nach unten und noch einmal 15 Meter Treppe bis zum Parkplatz gebracht. Das war bei über 30°C und drückender Schwüle eine wohl nennenswerte Leistung. Bevor wir zahlten, wagte ich dann, den Plastikventilator zu betätigen und mich etwas abzukühlen. Die mit einem deutlich hörbaren „PFFFT“ austretende Staubwolke klebte nun an meinem verschwitzten Gesicht und dem durchgeschwitzten T-Shirt.  An der Rezeption teilte man uns mit, dass man, da es schon Nachmittag war, uns die nächste Nacht mitberechnen müsse. In Anbetracht der Tatsache, dass ich bereit gewesen wäre, 500 Euro zu zahlen, eine Lächerlichkeit. Also zahlten wir, man wünschte uns alles Gute und ab ging ´s nach Orvieto. Das Hotel Vannucci in Citta de la Pieve ist wohl in den folgenden Jahren in andere Hände geraten. Heute ist es ein 4-Sterne-Hotel mit offensichtlich hervorragender Küche. Die Bewertungen im Netz bestätigen das eigentlich. Hier ist der Internetauftritt des Hotels von heute.

Wir kamen in dem Hotel an, in dem wir unsere schönsten Urlaubstage verbringen sollten. Es sah hier nicht nur auf dem Flyer so aus. An der Rezeption begrüßte man uns überschwenglich und bot uns sogleich an, uns für den Abend einen Platz im Restaurant zur reservieren. Wir nahmen dankend an. Als wir gegen 20.00 Uhr hinunter gingen, warteten bereits der Restaurant-Chef und zwei Kellner auf uns. Sehr schnell wurde klar, dass wir an diesem Abend die einzigen Gäste sein würden. Wir ließen uns alles empfehlen und man verwöhnte uns mit einer riesigen Auswahl an Antipasti, Pasta mit Trüffel sowie Rinderfilet mit Trüffeln. Dazu gab es einen ausgezeichneten Rotwein. Ein Kaffee rundete den Abend ab. Nach dem Essen gingen wir noch einen Moment mit Loulou nach draußen und setzten uns auf die Bank der Terrasse, da wir glaubten, uns nicht auf die Stühle setzen zu düfen. Es tat sich ein herrlicher Blick auf das historische Orvieto auf dem Tuffsteinfelsen auf. In den nächsten Tagen sollten wir diesen Blick jeden Abend genießen können. Als wir etwas später in unser Zimmer gingen, um zu schlafen, konnten wir immer noch nicht glauben, wo wir hingeraten waren. Ein leiser Verdacht, an diesem Tag vielleicht tödlich verunglückt zu sein kam auf, jedoch hatten wir ja mit zu Hause telefoniert. Das Hotel musste also Wirklichkeit sein.

Beim Einschlafen hatten wir das grauenvolle Hotel Vannucci bereits verdaut und freuten uns auf einen schönen Aufenthalt in Orvieto und Umgebung.

Mit diesem Hotel in Orvieto passierte allerdings in den Folgejahren genau das Gegenteil vom Horrorhotel in Citta de la Pieve. Es kam herunter und ist laut Bewertungen heute ein renovierungsbedürftiges Haus. Wir selbst mussten das im Folgejahr schon erleben, als wir für nur 3 Tage dort übernachteten. Anderes Personal, schlechtes Essen aus der Mikrowelle und ein Frühstück, das mehr als zu wünschen übrig ließ. Es hat natürlich immer noch einen Internetauftritt. Hier findet man das Hotel so vor, wie wir es in diesem Jahr kennenlernten. Es war etwas Besonderes, hier zu sein. Auch wenn sich nur wenige Gäste hier einfanden, gehörten wir in dieser einen Woche hier einfach dazu. Der Restaurantleiter verliebte sich regelrecht in Loulou und ermahnte uns stets, etwas vom Essen übrig zu lassen, das er dann liebevoll für Loulou auf einem Teller anrichtete und ihr selbst auf der Terrasse servierte, während er für uns auf Kosten des Hauses jede Menge Grappa bereit hielt. Eine Serviette mit seiner Handschrift ist eine letzte Erinnerung:

Ach ja, von Orvieto aus fuhren wir in diesem Jahr noch nach Rom. Und später erlebten wir eine atemberaubende Stadt, die durch ein Erdbeeben von der Umgebung abgeschnitten war und jetzt über eine sehr hohe Füßgängerbrücke erreicht werden konnte. Nur wenig alte Leute lebten noch hier, jedoch diese hielten die Stadt für den Tourismus am Leben.

Civita di Bagnoregio im Latium. Wer mehr über diese beeindruckende Stadt wissen möchte, der kann einfach hier klicken.

Hoch über dem Lago di Bolsena, einem Vulkansee, genossen wir die Aussicht. Noch am gleichen Tag entdeckten wir an eben diesem See eine wunderbare ruhige Stelle zum Baden. Auch unsere kleine Loulou, die mittlerweile Herzprobleme hatte und jeden Tag Tabletten nehmen musste, verliebte sich in diesen See, in dem sie, wasserscheu wie sie sonst war, sogar sehr gerne badete.

Natürlich wurden wir in dieser Zeit sehr oft gefragt, warum wir so oft unterwegs waren. Man unterstellte uns sogar Reichtum. Nun, reich waren wir nie. Nur unser gemeinsames Hobby war das Reisen, so wie andere Pferde oder Motorräder unterhalten oder aber zur Jagd gehen. Und dabei kam es uns immer darauf an, ein Land nicht nur zu sehen, sondern es auch zu schmecken. Da waren wir natürlich in Italien absolut richtig. Mit all diesen Erfahrungen entstand dann Jahre später auch unser „Nudelsalat á la Gourmet Flamand„, ein Salat, wie man ihn auch in Italien machen würde.

Über meine Arbeit habe ich eigentlich bisher so gut wie gar nicht gesprochen und ich möchte das auch nicht vertiefen. Ich hatte mir einen ganz ordentlichen Kundenstamm aufgebaut und in diesen Jahren ging es uns auch nicht schlecht. Doch auch im Versicherungsgschäft gibt es einen Einbruch. So war mein Kundenbestand mittlerweile für mich alleine zu groß, um jemanden einzustellen jedoch zu klein. Früher halfen die Gesellschaften dann beim Übergang zu einem größeren Bestand, heute sagt man sich, wir müssen den bisherigen Mitarbeiter los werden, um dann die vorhandenen Kunden aufzuteilen, damit zwei neue Mitarbeiter eingestellt werden können. Die sollten möglichst jung und dynamisch sein, damit auch sie eines Tages in meine damalige Situation kommen. Dann wird wieder geteilt – jetzt hat man ja vier Teile! So geht Betriebswirtschaft bei Versicherungsgesellschaften. Ich war jetzt einfach dran. Agnes half, wo sie konnte. Fünf Jahre lang fuhr sie – und natürlich auch unsere kleine Loulou – mit ins Büro nach Leer. Einer maroden Bude, die im Winter nicht warm zu bekommen war und im Sommer einige Kunden dazu brachte, uns vorzuwerfen, es wäre zu heiß und für Kunden so nicht zumutbar. Nun ja, diese Kunden hätten mal den ganzen Tag hier sitzen sollen. In meinem Kopf brodelte es, weil ich mit dem Gedanken spielte, aus diesem kläglichen Beruf heraus zu kommen. Leider viel mir nichts ein, was uns die gleiche Einnahme bringen könnte. So begann ich mehr und mehr mich manchmal auch noch spät Abends nach getaner Arbeit an den Herd zu stellen und zu kochen, um mich zu entspannen. Dabei entstanden dann natürlich auch Rezepte und irgendwann würde es dann soweit sein, dass das mein Beruf würde.

Kurz vor Weihnachten wussten wir noch nicht, dass wir ein bombastisches Menü am Silvesterabend in Paris bekommen würden. Also kreierte ich wie immer unser Weihnachstmenü. Leider existieren keine Bilder mehr davon, aber alle Rezepte sind noch da.

Ja, weihnachtlich muten diese Gerichte nicht unbedingt an. Das ist auch nicht wichtig, denn es kommt auf die festliche Atmosphäre an. So passen Vorgericht und Pasta sowie das Dessert absolut auch in den Sommer. Das Hauptgericht jedoch passt dann eher in den Herbst oder Winter.

Wenige Tage später fanden wir uns wieder in Paris ein. Wie ich schon erwähnte, hatten wir uns dieses Mal spontan entschlossen, in einem Lokal in der Nähe des Hotels zu feiern. Diese Feier war etwas absolut neues für uns – obwohl wir ja wussten, wie die Franzosen feiern konnten. Der Abend lief ohne eine besondere Ordnung ab. Jeder kam wann er wollte und aß wie er wollte. Das Menü war göttlich! Eine Kleiderordnung gab es hier schon gar nicht. Wer wollte kam im Smoking, wer sich eher in normalen Kleidern wohl fühlte kam so. Um 0.00 Uhr rief der Kellner lauthals das neue Jahr aus und jeder umarmte jeden. Man stieß mit dem an, was man gerade hatte – Kaffee oder auch Champagner. Viele waren noch gar nicht mit dem Essen fertig, doch tanzte man zuerst ins neue Jahr. Auch Loulou tanzte mit und die laute Musik schien sie nicht sonderlich zu quälen. Leider mussten wir die Feier früh verlassen, da wir am nächsten Tag früh fahren wollten. Auf unserem Weg zurück zum Hotel wünschte uns jeder, dem wir begegneten ein gutes neues Jahr. Und das Schönste: Es war nicht ein Böller zu hören. Natürlich waren wir müde und schliefen jetzt ins neue Jahr hinein. Die Menükarten konnten wir mitnehmen und haben sie damals eingescannt – leider noch nicht die beste Qualität, aber ich möchte sie hier doch zeigen.

Auf der 1. Seite begrüßt das italienische Restaurant seine Gäste zur Silvesterfeier. An diesem Abend ist man aber alles andere als italienisch – Silvesterabend in Paris geht nur auf die französiche Weise. Der Preis ohne die Getränke war damals pro Person 50,– Euro. Absolut angemessen und für Pariser Verhältnisse doch eher günstig.

Man konnte wählen zwischen drei Vorspeisen. 6 Austern von der Insel Noirmoutier. Diese liegt im Atlantik südlich von der Bretagne. Die Austern von hier gelten als besonders gut. Dann gab es noch die Möglichkeit, die obligatorische Gänseleber zu wählen, die mit einer Portweinsauce serviert wurde. Als dritte Möglichkeit gab es einen Grapefruit-Salat mit roten Crevetten und weiteren Meeresfrüchten angerichtet mit einer „göttlichen Sauce in der Farbe der Morgenröte“ – so steht das da und so sah die Sauce auch aus.

Das Hauptgericht stand an, wieder 3 Gerichte zur Auswahl:

  • Filet Mignon mit Mark überbacken an Morchelsauce begleitet von goldenen Äpfeln
  • Der König der Meere: Norwegischer Lachs an Sauerampfer mit Tagiatelle in verschiedenen Farben
  • Entenbrust á l´Orange nach traditioneller Weise mit gratinierten Prinzessbohnen und Sauce Darphin (Zwiebel-Minz-Sauce)

Zunächst gab es einen Teller mit Käse, dann wählte man zwischen zwei Desserts:

 

  • Nougat-Eis (weißer Nougat) mit Himbeersauce
  • Schokoladenkuchen auf einem Bett von englischer Creme (das ist eine Vanille-Soße)

Und zum Abschluss der obligatorische Espresso. (Den bekommt man, wenn man in Frankreich Café bestellt)

Ein wieder einmal aufregendes Jahr lag hinter uns, aber natürlich auch vor uns. Beruflich war ich so unzufrieden wie noch nie zuvor und gesundheitlich ging es uns beiden, aber vor allen Dingen Agnes nicht so gut. Der dauernde Streß im Beruf hatte uns beide mürbe gemacht. Etwas Neues sollte bald beginnen. Das aber auch das nicht das Richtige war, würde sich erst nach 10 weiteren Jahren herausstellen.

 

 

Wie ich ja bereits angedeutet hatte, führte ich seit 1999 eine Art Reisetagebuch. Eines dieser jährlichen Bücher beendete ich mit einem Zitat, das noch heute für sich spricht, weil es unseren damaligen Gesundheitszustand doch so sehr widerspiegelte. Das Foto habe ich in der Nähe von Arles in Südfrankreich selbst aufgenommen und lediglich am PC verändert.

Das war das 10. Kapitel unser Lebensstory. Damit unsere Leser auch wissen, warum wir eine so lange Pause gemacht haben, hier noch einmal die Links zu unseren Events der letzten Wochen mit Bildern und Rezepten:

In zwei Wochen geht es weiter – mit gravierenden Änderungen in unserem Leben, mit einer weiteren Reise durch Italien und natürlich mit Rezepten.

Ach ja – und wer unsere kleine Geschichte mag, der darf uns natürlich gerne wieder eine Tasse Kaffe spenden. Einfach auf den Link drücken. Die Summe ist egal – wir nehmen 1 Euro genauso wie eine Million – und keine Angst, wir versteuern alles ordnungsgemäß.

Aux Bords de la Loire – An den Ufern der Loire IX

Kapitel 9 – Meck-Pomm und Italien statt Belgien und Frankreich

Oh, wie hatten wir uns auf unsere Reisen an Ostern und im Sommer nach Belgien und Frankreich gefreut. Dann aber brach die Maul- und Klauenseuche in Nordeuropa aus. Es gab strenge Beschränkungen bei Ein- und Ausfuhr von Lebensmitteln und natürlich auch bei der Mitnahme von Haustieren. So entschlossen wir uns, Ostern statt nach Belgien und Frankreich nach Schwerin zu fahren. So kam es dann auch, dass wir Ostern im Schnee verbrachten, während in der Normandie fast 20°C herrschten. Das taten wir natürlich gerne für unsere kleine Loulou, die bei uns sein sollte und wollte.

Obwohl seit der Wende schon mehr als 10 Jahre vergangen waren, war in Mecklenburg-Vorpommern doch noch immer so einiges anders. Leider hatte das auch zur Folge, dass es hier nicht unbedingt lukullische Höhepunkte zu vermelden gab. Wir fuhren eine Menge herum und besichtigten z. B. das Schliemann-Haus oder auch das Schloß in Ludwigslust. Das Kfz-Kennzeichen von Ludwigslust haben wir gut in Erinnerung behalten – LWL. Gerade hier waren ganz oft illegale Autorennen zu verzeichnen. In der Nacht zum Ostersonntag hatte man nicht nur eine ganze Reihe dieser Herrschaften dingfest gemacht, sondern die Herrschaften hatten auch so etliche Blechschäden verursacht. Das war dann wohl Ludwigs Lust auf ´s autofahren.

Nur wenige Monate später wollten wir dann aber doch nach Frankreich fahren, um dort im Sommer durch die Lande zu kreuzen. – Pustekuchen! Die Seuchenbestimmungen bestanden immer noch. Wir hätten Loulou zwar mit nach Frankreich nehmen können, jedoch bei Verlassen des Landes hätte sie vier Wochen Quarantäne vor sich gehabt. Da wären wir lieber zu Hause geblieben. Dann aber stellten wir fest, dass die Bestimmungen auf Grund der sommerlichen Temperaturen in Italien nicht so streng waren. Die Viren halten sich wohl bei höheren Temperaturen nicht. Ich machte mich sogleich ans Werk und suchte und buchte Hotels auf einer von uns festgelegten Route in Italien.

Als erste Zwischenübernachtung auf dem Weg nach Venedig, genau genommen allerdings Mestre, denn Venedig war unbezahlbar, wählten wir Kochel am See aus. Fast 20 Jahre vorher hatten Agnes und ich hier unseren ersten längeren Urlaub gemacht. Damit wir am Abend dort noch etwas Zeit hatten, wollten wir gegen 4.00 Uhr morgens starten. Doch wir mussten uns viele Sorgen um unsere kleine Loulou machen. Ihr ging es nicht gut, sie musste sich ständig übergeben. Sie war die ganze Nacht unruhig. Erst viel später erfuhren wir, dass die Kleine einfach nur Reisefieber hatte, das verflog, wenn wir unterwegs waren. Tatsächlich besserte sich ihr Zustand auf der Fahrt nach Kochel. Da wir mitten in der Woche fuhren, war unterwegs nicht viel los. Wir ließen uns aber Zeit und kamen gegen Abend dort an. Kochel liegt in Oberbayern, nur etwa 60km hinter München auf gleicher Höhe mit Garmisch-Patenkirchen. Man war hier die Zeit stehen geblieben! Wir hatten trotzdem einen tollen Aufenthalt und aßen typisch bayerisch. Das Dessert aber war eher österreichisch angehaucht: Marillenknödel in Vanillesauce.

Der nächste Morgen weckte uns mit herrlichstem Wetter. Nach dem Frühstück machten wir uns dann auf in das Abenteuer Italien. Unser Weg führte uns über die Brenner-Autobahn. Es gab damals noch Grenzkontrollen. Das letzte Jahr mit italienischer Lire war angebrochen. Diese Währung war echt gewöhnungsbedürftig. 10tausender-Scheine hatten wir sogar dabei. Und dann die Brenner-Autobahn. Was für eine gigantische Meisterleistung, diese Straße zu bauen.

Um die Mittagszeit passierten wir Bozen. Da alle Autobahnraststätten völlig überfüllt waren, fuhren wir in die Stadt hinein. Eine wirklich tolle Stadt, in der fast nur deutsch gesprochen wurde. Nun ja, für die Italiener im Süden ist das hier ja ohnehin nicht Italien. Wir aßen zum ersten Mal in Italien und zwar eine Bruschetta. Die konnten das wohl mit dem Essen. Als wir vierzehn Tage später wieder nach Hause fuhren war für uns auch klar, die Italiener hatten eigentlch das Essen erfunden.

Auch unsere kleine Loulou war jetzt sehr entspannt!

 

Die die italienische Hitze war natürlich auf der Fahrt nach Mestre deutlich zu spüren. Die Sonne schien vom azurblauen Himmel und nur ein Stau vor der Autobahnausfahrt in Mestre hielt uns auf. Dann waren wir schnell im Hotel. Direkt vor dem Hotel war eine Bushaltestelle, von wo aus der Bus nach Venedig abfuhr. Für relativ wenig Geld besorgten wir uns dann eine Tageskarte, die auch für die Linienboote in Venedig, die Vaporetti gültig waren. Nach einem wunderbaren ersten Abendessen in Italien, selbstverständlich mit Pasta, ging es am nächsten Morgen nach Venedig. Es war dann Zufall, dass wir das Vaporetto erwischten, das uns vom Meer her in Richtung San Marco fuhr, so, wie es im Reiseführer vorgeschlagen war. Das war schon ein Traum.

Venedig war natürlich ein Traum – auch für unsere kleine Loulou. War doch toll, auf dem Markusplatz Tauben zu jagen. Klar, dass wir genau hier auch einen 10-Mark-Capuccino tranken. Muss man erlebt haben. Aber man sollte sich immer auf die Seite setzen, wo die Bands nicht spielen. Für die zahlt man nämlich noch einmal extra. Weil alles so schön war, fuhren wir am Abend noch einmal zurück nach Venedig. Jetzt war es hier einfach ruhig. Die Tagestouristen waren nicht mehr da. Dann gab es auch noch Gewitter und wir konnten feststellen, dass Venedig bei jedem Wetter schön ist. Dann suchten wir ein Restaurant aus. Der Zufall wollte es, dass wir im ältesten Restaurant Venedigs landeten. Ein tolles Menü mit Sepia (Tintenfisch) machte den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis.Ein einfaches Rezept für Tintenfische gibt es hier. Ja, es gibt andere Möglichkeiten als das Frittieren.

Ach ja, dann war da noch der Tipp mit dem Gondel fahren. Die Gondel gehört natürlich zu Venedig und mein Lieblingsmotiv sind und bleiben die Gondeln vor dem Markusplatz.

Natürlich sieht das noch besser aus, wenn die so schön vor sich hin schaukeln. Eine Gondelfahrt aber war und ist nie etwas für unsere Gehaltsklasse gewesen. Trotzdem, nachdem wir all diese Klischees von Venedig schon so wunderbar erlebt hatten, sollte der Höhepunkt natürlich eine abendliche Gondelfahrt sein. An der Rialto-Brücke suchten wir uns eine Gondel aus. Der Gondoliere bat aus höflich ins Boot. ABER HALT! In letzter Sekund fiel mir ein, was ich schon so oft gehört und gelesen hatte. Erst nach dem Preis fragen. Stolz teilte er mir in fließendem Englisch mit: 300.000,– Lire . Uns entglitten die Gesichtszüge. Umgerechnet waren das damals etwa 300,– DM. Dann erkärte er uns, dass das die große Tour von ca. 50 Minuten wäre. Man würde durch die kleinen Kanäle fahren (was natürlich ausgesprochen interessant gewesen wäre – aus dem stinkenden Wasser heraus hohe Hauswände zu betrachten) und man würde Geburts-, Sterbe- und  Aufenthaltshäuser berühmter Personen sehen. (Auch das dürfte von außen unheimlich interessant sein). Als ich ihm bedeutete, dass das zu teuer war, bot er uns eine kleinere Tour von 20 Minuten für 150.000 Lire an. Das befanden wir auch noch zu teuer. Als wir dann weggehen wollten, hielt uns sein Kollege auf, der uns noch einmal alles genau erklärte und uns dann eine noch kleinere Tour für 120.00 Lire anbot. Wir waren vollständig begeistert und lehnten auch jetzt dankend ab. Auf die Frage, ob dann 10 Minuten gefahren würden, lachte er nur un versprach auch 20 Minuten. Was also sollte wohl der Unterschied sein? Wir haben und wir werden es nie erfahren, da wir es vorzogen, ein weiteres Mal mit einem der Vaporetti durch den Canale Grande zum Busbahnhof zu fahren. Wohlwissend, eine Dummheit gelassen zu haben, indem wir auf die Gondelfahrt verzichteten, genossen wir die Rückfahrt und nahmen in der untergehenden Sonne auf dem Canale Grande Abschied von dieser einmaligen, wunderschönen Stadt, die jetzt keinen weißen Fleck mehr auf unserer Reiselandkarte darstellte und die wir sicher einmal wieder besuchen würden. Der Verzicht auf die Gondelfahrt hatte uns dazu gebracht, nicht enttäuscht wegzufahren und die Stadt in wunderbarer Erinnerung zu behalten.

Wir waren in diesem Urlaub so lange unterwegs wie seit 1985 nicht mehr und genossen Italien in vollen Zügen. Jeden Tag Sonnenschein, Hitze und Leckereien, die wir noch nicht kannten. Eine davon war Porchetta. In Italien hat die eine enorme Größe, ist schon fast ein ganzes gefülltes Schwein. Aber es gibt auch eine Mini-Version für zuhause. Das Foto mit Agnes und Loulou entstand übrigens am südlichen Gardasee. Das war unsere letzte Station im nördlichen Italien. Dann ging es nach Maranello, der Ferrari-Stadt und in die Toskana.

Auf dem Weg in die Toskana darf man als Ferrari-Fan natürlich nicht an Maranello vorbeifahren. Wir besichtigten die Galleria Ferrari, das Ferrari-Museum. Dort war auch das Formel-1-Auto zu besichtigen, mit dem im Jahr zuvor Michael Schumacher Weltmeister geworden war. Es gab sogar einen Fan, der mit zwei Krücken in das Museum humpelte, diese Krücken vor dem Auto fallen ließ und vor ihm in die Knie ging. Die Faszination Ferrari war hier allgegenwärtig. Mit viel Glück konnten wir dann noch auf der Teststrecke Rubens Barrichello mit einem damals noch sehr lauten F1-Wagen trainieren sehen.

Das war einfach unser Urlaub – Sonne, Wärme, leckeres Essen, guter Wein und „Kultur bis zum Anschlag“. Wir waren Loulou unendlich dankbar dafür, dass sie letztlich dafür gesorgt hatte, dass wir hierher kamen. Wir sahen die Arena von Verona, den Balkon von Romeo und Julia, deren Denkmal sogar offiziell unsittlich berührt werden durfte, wir sahen Städte wie Lucca mit dem Pinocchio-Park, Pisa, Siena, Florenz, aber auch Naturschönheiten und ein Schwert, das irgendwann einmal jemand in einen Felsen gehauen hatte. Eine besondere Leckerei aus dieser Zeit nahmen wir mit nach Hause, nämlich die Spargel-Tarte, die wir auch schon unseren Gästen auf einem Event servieren durften. Mit unsagbar vielen Eindrücken fuhren wir 16 Tage nach unserer Ankunft zurück nach Deutschland. Wir gönnten uns eine Zwischenübernachtung in einem einst sehr bekannten Hotel im Schwarzwald, dem Forellenhof aus der Fernsehserie der 1960er Jahre. Hier schien auch die Zeit stehen geblieben zu sein, dennoch war es ein besonderes Erlebnis, in diesem angestaubt wirkenden Ambiente und dem Charme der 1960er, dieser Zeit in der das Reisen von den Deutschen entdeckt wurde, ein wenig Zeit zu verbringen. Zur Erinnerung an die Serie: Hier klicken

In Memoriam Roger Humphrey. In diesem ersten Jahr im neuen Jahrtausend fuhren wir dann im Herbst noch einmal nach London. Dieses Mal wollten wir unbedingt einmal unsere englischen Freunde in Northampton besuchen. Das ließ sich dann auch leicht organisieren. Mit dem Zug fuhren wir dorthin. Sie erwarteten uns am Bahnhof und wir verbrachten einen wirklich schönen Tag in der Umgebung von Northampton. Wer die Fernsehserie „Der Doktor und das liebe Vieh“ schon einmal gesehen hat, dem sei gesagt, genauso sieht das hier aus. Die Zeit schien stehen geblieben zu sein. Nach einem wunderbaren Tag mit unseren englischen Freunden fuhren wir zurück nach London, wo wir natürlich noch ein gigantisches Besichtigungsprogramm absolvieren wollten. Vom Charles-Dickens-House bis Nottinghill war alles dabei. Leider haben wir bis heute unsere Freunde nicht mehr persönlich gesehen. Wir schreiben uns zu Weihnachten, das hat für die Engländer eine große Tradition. Roger haben wir damals aber tatsächlich zum letzten Mal gesehen. Er starb 2011 nach einer schweren Krankheit. Danke Roger für die tolle Zeit, die wir miteinander erleben durften, für den Spaß und Deine immerwährende gute Laune!

 

 

 

Unser Freund Roger Humphrey 1947-2011

Das Jahr neigte sich langsam dem Ende zu. Wie schon gesagt, Silvester würden wir in Paris sein. Aber unser Italien-Urlaub wirkte natürlich nachhaltig in Bezug auf unser Weihnachtsmenü. Und das sah in diesem Jahr so aus:

Alle Rezepte finden sich mit einem Klick auf das jeweilige Gericht. Da es sich nicht um typische Weihnachtsgerichte handelt, lassen sie sich auch durchaus jetzt schon mal nachkochen. Einige der Zutaten gibt ´s auch bei Gourmet Flamand.

Das war das 9. Kapitel unser Lebensstory. Jetzt gehen wir in die Sommerpause – nicht um Urlaub zu machen – nein, jetzt stehen 4 große Events bei Gourmet Flamand an:

Ende August geht es dann weiter – mit mehr Rezepten und Bildern von uns und unseren Freunden. Vielen werden wir in den nächsten Wochen bei unseren Veranstaltungen wieder einmal persönlich begegnen. Wir freuen uns drauf.

Ach ja – und wer unsere kleine Geschichte mag, der darf uns natürlich gerne wieder eine Tasse Kaffe spenden. Einfach auf den Link drücken. Die Summe ist egal – wir nehmen 1 Euro genauso wie eine Million – und keine Angst, wir versteuern alles ordnungsgemäß.

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