Kapitel 13 – Silberne Hochzeit – ist man dann eigentlich alt?

Wir waren im Jahr 2008 angekommen. In diesem Jahr würden wir unseren 25. Hochzeitstag feiern. Kaum zu glauben. Da erinnerten wir uns doch noch zurück, wie unsere Eltern diesen Tag begingen. Waren wir denn jetzt plötzlich alt? Glaube ich nicht – jedenfalls fühlten wir uns nicht so. Jung wie wir uns aber fühlten, kam dann im April eine ganz neue Herausforderung auf uns zu.

Aber jetzt mal von Anfang an. 2008 begann im Februar mit einer ganz besonderen Reise. Zum ersten Mal trauten wir uns nach Spanien. Unser Reiseziel war das berühmte Santiago de Compostela, der Pilgerort überhaupt. Der günstigste Flug startete aus Frankfurt-Hahn. Das klingt wie Frankfurt, ist aber nicht Frankfurt. Das liegt noch etwa 120 km von dort entfernt. Glücklicherweise hatten wir neben unserem eingebauten Navi auch noch ein mobiles Gerät mit, da wir das im spanischen Leihwagen brauchen würden. Wir gelangten also am Vorabend des Fluges in abgelegene und teilweise verschneite Gegenden im Hunsrück. Hier lag nun irgendwo dieser Flughafen. Durch diverse Straßensperrungen wegen Hochwassers kamen wir völlig vom Weg ab und die beiden Navis stritten heftig über den richtigen Weg. Irgendwann kamen wir dann am Gelände des Flughafens an und unsere Navis leiteten uns durch eine Art Hintereingang dorthin. Fast eine halbe Stunde lang führten uns die Navis durch Feld- und Waldwege – alle geteert oder ausgepflastert. Nachdem ich schon Angst hatte, wir würden gleich auf dem Rollfeld stehen, gelangten wir schnell zum direkt der Abflughalle gegenüberliegenden Hotel. Wir checkten ein und genossen danach in einem sehr angenehmen Flughafenrestaurant unser Abendessen.

Santiago de Compostela – auf dem Jakobsweg. Seit Harpe Kerkeling diesen Weg gegangen und in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ verewigt hat, scheinen die Menschen vor allem in Deutschland wieder begriffen zu haben, was dieser Jakobsweg bedeutet – auch, wenn man nicht religiös ist. Uns war es nie vergönnt, die Zeit zu haben, diesen Weg einmal zu gehen. Aber an vielen Stationen des Weges hatten wir im Laufe des Jahres schon verweilt. Ob in Frankreich, Deutschland, Holland, Belgien. Eigentlich liegt ja jeder Ort am Weg nach Santiago. Wir kamen dort mitten im Winter an. Ein wunderbares Hotel begrüßte uns und unser Leihwagen machte uns unabhängig. Wir erlebten Galizien und damit auch Satiago in einer Zeit, in der die Einheimischen fast unter sich waren. Das war besonders schön in den Restaurants. Hier herrschte eine heimische Atmosphäre und besser als im Sommer (das würden wir in Kürze erleben), gab es jetzt die regionalen Gerichte. Erstmals aßen wir einen galizischen Eintopf, nämlich eine Kichererbsen-Suppe und machten mit der spanischen Tortilla als Tapa oder Hauptgericht Bekanntschaft. Diese Rezepte habe ich nie aufgeschrieben, sie werden aber noch irgendwann zu Papier gebracht.

Nachdem wir eine einmalig schöne Zeit in Santiago erlebt hatten, entschlossen wir uns spontan, auf der Rückreise noch für eine Nacht in Lüttich Station zu machen. Belgien zog uns eben schon damals irgendwie an. Auch hier hatten wir wieder Glück mit dem Wetter, mit Restaurants  und Kneipen und eben auch dem Hotel. Nur etwa einen Monat später flogen wir erstmals nach Budapest, dem Paris des Ostens. Leider lernten wir das aber von einer schlimmen Seite kennen. Bislang hatten wir nur wenig Erfahrung mit den ehemaligen Ostblockländern. Zwar wussten wir, dass es den Ungarn wirtschaftlich nicht sehr gut ging, jedoch hätten wir mehr Geld für das Hotel ausgeben sollen. Wir erwischten ein Horrorhotel in einer perfekten Lage.

Wir waren sehr früh in Budapest gelandet und konnten noch nicht einchecken. Glücklicherweise kamen wir nicht auf die Idee, unser Gepäck, wie international üblich schon im Hotel abzugeben. Das wäre dann wohl weg gewesen. Wir deponierten es im Westbahnhof und machten dann unsere ersten Erkundungen bevor wir es wagten, ins Hotel zu gehen.

Von der Metrostation aus war es eigentlich nicht sehr weit dort hin. Kein größeres Schild war dort zu sehen, wo das Hotel sein sollte, aber dennoch waren wir hier richtig – leider!  Wir sollten den wohl größten Dreckstall in Form eines Hotels sehen, der uns je untergekommen war. Aber wir waren bereit, uns der Herausforderung zu stellen. Ein Straflager hätte nicht schlimmer sein können. Gut, dass wir hier nicht mehr Geld bezahlen mussten. Vorsichtshalber hatte man an der Rezeption schon mal darauf geachtet, dass wir gleich für die gesamte Zeit bezahlen. Vermutlich ging man davon aus, wir könnten sonst flüchten. Zum ersten Mal seit unserem Reinfall im italienischen Umbrien hatten wir ein richtig schlechtes Hotel erwischt. Aber – es sollte uns nicht davon abhalten Budapest in allen Einzelheiten zu erkunden. Klar, denn auf diesem Zimmer würden wir ganz bestimmt nicht so oft sein.

Für den nächsten Morgen hatten wir auf einem Zettel ankreuzen müssen, was wir zum Frühstück wünschen. Da konnte dann ja nicht so viel daneben gehen. Bestellt hatten wir das Frühstück für 8.30 Uhr. Es sollte aufs Zimmer gebracht werden. Das klappte natürlich nicht. Erst auf Nachfrage kam dann das Grauen auf unser Zimmer geliefert. Zwei Brötchen – das stimmte. Käse und Wurst und Ei auch – aber der Kaffe war in den großen Tassen unten am Boden kaum zu finden. Der Orangensaft war irgendeine mit Wasser vermischte Plörre. Aber: das Hotel war billig – und wir könnten ja unterwegs noch etwas Richtiges essen. Außerdem folgte jetzt ja das Osterwochenende.

Der Ostersamstag begann mit Schnee und Regen, wobei sich der strömende Regen durchsetzte. Das Frühstück kam heute pünktlich und  – war noch magerer. Statt der bestellten  Brötchen gab es nur vier kleine Stücke Toast und zwei Scheiben Käse. Na herzlichen Glückwunsch! Unsere Blicke veranlassten die Dame, die uns das Frühstück brachte, sich mit den Worten zu entschuldigen: „We have holiday.“ – „Wir haben Ferien“ – Ja dann macht man aber zu und serviert seinen Gäste nicht so einen Mist! Wir gingen dann los und fuhren erst einmal mit Bus einfach in der Gegend rum, damit wir nicht im Regen liefen. Ausstieg war dann vor der Metrostation in der Nähe des Hotels, woraufhin wir uns dann trauten, in das gegenüber liegende Einkaufszentrum zu gehen, was von außen nicht den besten Eindruck machte, jedoch von innen toll war. Wir fuhren danach noch zu einem anderen Einkaufszentrum, wo es sich bei Regen ganz gut aushalten ließ. Angrenzend an das Einkaufszentrum gab es dann wieder einen Markt für die ärmere Bevölkerung. Dort waren wirklich leckere „Schweinereien“ zu bekommen und wir deckten uns ein wenig damit ein. Danach gab es noch einen knoblauchverseuchten „Laros“ – jene in der Friteuse gebackene Teigspezialität, die wir schon aus Wien kannten. Jetzt fiel uns ein, dass wir die Leckereien doch zum Mittag und zwar in unserem mehr als gut ausgestatteten Hotelzimmer verzehren konnten. Wir fuhren hin und machten uns am Tisch breit. Dass noch kein Zimmer gemacht war, war uns egal, denn es würde ja sowieso nicht auffallen.

Und während wir so da saßen, kam die Putzfrau ins Zimmer – schaute etwas überrascht, weil sie nicht so recht etwas damit anfangen konnte, dass wir da sitzen und essen. Sie begrüßte uns höflich, um dann zum Abwaschbecken zu gehen und das Frühstücksgeschirr abzuwaschen – oder besser abzuspülen. Es schien sie nicht zu stören, dass wir da waren. Warum auch. Sie fragte nach, ob wir wirklich neue Handtücher haben wollten. Ich gab  ihr zu verstehen, dass das so sein sollte, denn schließlich hatten wir, wie international üblich, die Handtücher auf den Boden geworfen. Sie holte zwei Handtücher und warf diese an mir vorbei gekonnt auf das Bett und verschwand naserümpfend wieder im Flur, um Sekunden später mit zwei Rollen Klopapier, die sie mir stolz zeigte, während ich beruhigt weiterkaute. Das Klopapier entsprach von der Papierdicke her etwa der Dicke der menschlichen Haut, hatte aber nicht annähernd die Reißfestigkeit. Gut, dass wir uns selbst etwas gekauft hatten. Die Reste würden sie nach unserer Abreise behalten dürfen. Jetzt endlich verschwand die Putze auf dem Flur und schloss die Tür von außen. Wir aßen noch etwas und tranken den Wein, der uns half, dieses Zimmer, dieses Hotel und dieses Personal zu ertragen.

 

Budapest aber ist eine wunderschöne Stadt. Gleich für den ersten Abend hatten wir uns Karten für ein Ballett in der Oper besorgt. Das war ein gigantisches Erlebnis. Viele schöne Dinge gab es hier zu sehen. Alte Markthallen, moderne Geschäfte und das damals größte europäische Einkaufszentrum. Die ungarische Küche zeigte sich uns in vielfältiger Weise. Dabei bleibt das herausragende Rezept das des ungarischen Gulaschs – also so wie man dort Gulasch ist. Aus diesem Geschmackserlebnis wurde später unser Gulaschgewürz und natürlich der Gulasch á la Gourmet Flamand. Als wir nach wenigen Tagen wieder zu Hause waren, hätten wir Budapest wegen dieses Horrorhotels fast für immer abgehakt. Doch glücklicherweise überwanden wir den Wahnsinn und kamen einige Jahre später noch einmal Silvester dorthin.

Manchmal geht das Leben eigenartige Wege. Es war der 20. April 2008. Wir feierten mit unserer Familie meinen Geburtstag. Ständig fiel uns dabe auf, dass hinter unserem Haus eine schwarz-weiße Katze herumlief. Wann immer die Tür aufging, wollte sie herein. Aber wir wollten doch kein Tier wieder haben. Außerdem hatte Agnes eine Katzenallergie. Wir hatten alle Mühe, sie davon abzuhalten, ins Haus zu kommen. Am Abend sahen wir sie dann mit dem Kater des Nachbarn kämpfen. Kurz darauf war sie weg.

Irgendwie völlig fertig aber auch unzufrieden mit allem, was so um uns herum passierte, tranken wir unseren Abschlusswein auf der Terrasse und gingen dann ins Bett. Am nächsten Morgen konnte Agnes gar nicht aufstehen, sie erlitt so etwas wie einen Schwächeanfall und stand erst nachmittags wieder auf. Eines aber hatte sich nicht verändert. Die Katze war wieder da und wollte mit uns schmusen. Sie lag auf den Gartenstühlen auf der Terrasse und schaute uns an. Wir gingen beide aus dem Haus und sie kam zu uns. Bei Agnes keine Spur von Allergie.

Dann mussten wir eine Entscheidung treffen: Tierheim oder wir. Sehr schnell hatten wir uns dafür entschieden, die Katze zu behalten. Wir öffneten die Tür und ließen sie herein. Es war, als ob Loulou zurückgekehrt war. Sie kannte sich eigenartiger Weise im Haus aus. Sie ging durch die Tür und dann in die Küche, den Flur und ins Schlafzimmer, wo sie sich sofort unter der Decke im Bett verkroch. In den folgenden Tagen schlief sie sehr viel und ruhte sich von der schweren Zeit da draußen aus. Wir nannten sie Momo, weil sie eben ein Findelkind war. Sie machte einen sehr gepflegten Eindruck. Vermutlich war sie ausgesetzt worden.

 

Wenige Tage später ließen wir sie beim Tierarzt untersuchen. Da kam dann auch der Schock: sie bekam drei Babies und das schon bald. Auch das nahmen wir hin. Ihre hohen Entzündungswerte kamen wohl von der stressigen Zeit, in der sie sich durchkämpfen musste. Sie war einfach lieb. Nicht nur, dass sie das Katzenklo kannte, nein sie ging auch ohne zu murren in den Tragekorb, mit dem sie zum Tierarzt gebracht wurde. Als sie wieder zu hause war, schlief sie weiter. Am 01. Mai verbrachte sie gleich den ganzen Tag auf meinem Schreibtisch und zeigte uns damit: ich gehöre hier jetzt her.

Am 6. Mai war es dann so weit. Wir mussten zu einer Vortragsveranstaltung nach Hamburg und oben in einer kleinen Ecke im großen Zimmer, das nur als Rumpelkammer diente, kamen drei kleine Katzenbabies auf die Welt. Das erste Kätzchen sah aus, wie der kleine Eisbär Flocke – also nannten wir es später auch so. Als zweites kam der kleine Mikesch zur Welt, der Mamas Ebenbild war, aber sehr klein und schwach zu sein schien. Wir hatten Angst, dass er nicht überleben würde. Doch er kämpfte sich durch. Der dritte im Bunde war ein Kater, den wir Tiger nannten. Er war einfach ein Bild von Katze. Er hätte leicht die Werbung für Whiskas machen können. Es begannen zehn aufregende Wochen, in denen die drei ihr Unwesen bei uns treiben sollten.

Die Drei wuchsen heran und spielten mit uns. Es kam dann aber der Tag, an dem wir uns trennen mussten. Mikesch, der übrigens manchmal aussah, als ob er gerade auf einem Trip war, ging als erster. Doch schien seine neue Familie nicht mit ihm klar zu kommen, wollten sie doch eine Reisekatze aus im machen. Nach nur einer Woche und einem Trip nach Hannover brachten sie uns Mikesch zurück, der zunächst einmal die anderen verrückt machte, jedoch nach einem Tag wieder voll dazu gehörte. Wir waren schon mit allen Vieren in Heede in der Tierklinik gewesen, weil Flocke doch solche Probleme mit ihren etwas schief gewachsenen Füßen hatte, was sich aber alles wieder regelte. Vielleicht hatten wir allen auch schon zuviel zugemutet.

Wir fanden dann eine Möglichkeit, dass Tiger und auch Mikesch untergebracht wurden, jedoch schien es keine gute zu sein. Eine Zeitungsanzeige brachte dann die Wende. Tiger wurde von sehr tierlieben Menschen abgeholt, während Mikesch dann schließlich doch noch in sehr gute Hände kam. Danach begann eine sehr unruhige Zeit mit Flocke und Momo und sie hielten uns gut in Schuss. Man konnte doch merken, dass alles wieder etwas anders lief und wir wieder eine Familie waren. Nie jedoch würden wir die wunderbare Zeit der unbeschwerten Kindheit unserer kleinen Katzenfamilie vergessen.

Wegen eines Hotelgutscheines fuhren wir für zwei Tage in den Harz. Das vorweg: wir hatten schönes Wetter in Hahnenklee. Als wir ankamen fuhren wir auf den Hausberg dieses „mondänen Ortes“, den Bocksberg. Zu unserer Freude gab es dort ein Gasthaus. Wir setzten uns in den Biergarten. Die Bedienung, eine etwas zu schwer geratene Dame mit dem Problem behaftet, dieses Gewicht mit den ihr zu Verfügung stehenden Muskeln und Knochen zu tragen, stand etwa 15 Meter von uns entfernt in der Tür und rief uns zu: „Was möchtet Ihr denn haben? – Ich mach die Bestellung mal von hier, dann muss ich nicht so weit laufen!“ Na toll! Der Harz, für uns stets ein Synonym für Langeweile und Spießertum, entäuschte uns in diesem Klischeedenken nicht. Und wäre an diesem Abend nicht ein großes Feuerwerk angesagt gewesen, so hätten die bestimmt die Bürgersteige schon um 18.00 Uhr hochgeklappt. So wartete man an diesem Abend bis 21.30 Uhr damit. Es war schon irre, mit welcher Geschwindigkeit die Besucher des Feuerwerkes bergauf und bergab schnell in ihre Behausungen fanden. Zum Glück fuhren wir am nächsten Tag (übrigens nicht enttäuscht vom Hotel) wieder nach Hause.

Ja – tatsächlich hatten wir vor, noch einmal mit dem Zelt nach Chatillon zu fahren, so wie im vergangenen Jahr. Als uns ein Kollege während einer Tagung von einer 14tägigen Tour durch Portugal erzählte, bei der er und seine Frau mit einem Laptop bewaffnet jeden Tag aufs Neue entschieden, in welchem Hotel sie wohnten, kamen die ersten Zweifel auf. Aber wir hatten ja schon bei Jean und Bernadette einen Platz reservieren lassen. Als wir dann Anfang August das Zelt vom Boden holten und draußen aufbauen wollten, um es noch einmal zu lüften und zu imprägnieren, kam plötzlich und unerwartet von uns beiden gleichzeitig der Entschluss, uns das nicht noch einmal anzutun und nach Spanien und Portugal zu fahren. Für Jean und Bernadette dachten wir uns eine plausible, wenn auch blödsinnige Ausrede aus und starteten am 16. August zu unserer Fahrt nach Spanien. Nach einer regnerischen Fahrt durch Frankreich erreichten wir am Abend des 17. Augusts Burgos – dort war Hochsommer!

Da wir am Nachmittag mehr als gut durchgekommen waren, hatten wir uns entschieden, an diesem Tag dann insgesamt doch die insgesamt notwendigen 1.100 km bis Burgos zu fahren. Das war in der Nähe von Bordeaux. Dort hatten wir kurzerhand den Laptop angeworfen und über ein Buchungsportal in Burgos ein Boutique-Hotel gefunden, von dem wir natürlich nicht enttäuscht wurden. Überhaupt schien Burgos an diesem Abend für uns ein Festkleid angelegt zu haben. Sommerliche Wärme, südliche Gelassenheit, Tapas und Rotwein. Spanien hatte uns „eingewickelt“. Von hier aus ging es dann zwei Wochen durch Nordspanien, Portugal und zuletzt wieder nach Santiago de Compostela, wo wir noch einmal die Pilgerstadt im Hochbetrieb erleben durften.

Es folgten wunderbare Tage in Nordspanien und vor allem in Portugal. Dort hatte es uns Porto angetan. Porto entpuppte sich als eine tolle Stadt. Wir verbrachten gleich einmal 5 Tage dort – in unterschiedlichen Hotels, die wir immer am Abend per Laptop aussuchten. In Spanien und Portugal versuchen gerade die Business-Hotels im Sommer durch eine günstige Auslastung die Betriebskosten einzufahren. Davon konnten wir profitieren. Wir übernachteten zum Teil in 5-Sterne-Hotels für gerade einmal 50,– Euro inklusive Frühstück für zwei Personen! So kamen wir dann gegen Ende des Urlaubs nach Leon. Für eine Nacht wollten wir dort bleiben und anschließend über Pamplona nach  Frankreich zurück fahren. Der Tag und der Abend in Leon waren wunderbar. Am Morgen fuhren wir schweren Herzens weiter. Doch schon nach 20km kam das Aus!. Der Keilriemen riss und wir standen an der Autobahn. Wir standen an der Autobahn und riefen über die Notrufsäule Hilfe. Als ich dann das dritte Mal anrief, schickte er uns die Polizei, die die an diesem Tag nur schwach befahrene Autobahn weiträumig abriegelte. Oh Mann – waren die wichtig. Jemand von der Autobahnmeisterei, der gut englisch sprach, half dann und rief einen Abschleppdienst. Der zog unseren Ford Galaxy auf den viel zu leichten Transporter und brachte uns für nur 100 Euro nach Leon in eine Ford-Vertretung. Nach deren wohlverdienter Mittagsruhe war man sehr zuvorkommend, jedoch war es nicht möglich am gleichen Tag zu reparieren, da die Wasserpumpe kaputt war.

Wir fanden uns damit ab, noch zwei Tage in Leon zu bleiben. Weil der Schutzbrief bezahlte, konnten wir uns mitten in der Stadt im besten Hotel einmieten. Das war einfach toll, bis auf das Frühstück. Dabei war weniger das Frühstück das Problem, sondern der zuständige Kellner. Als wir in den Frühstücksraum im ersten Stock des Hotels kamen, wehte uns – was aber ja nicht unbedingt negativ sein muss – der Charme der 1960er Jahre entgegen. Ein geschulter Blick über das Buffet ließ sofort erkennen, es handelt sich um ein für ein solches Hotel übliches Buffet, was aber noch nichts über die Qualität aussagen musste. Der Kaffee wurde, wie wir das schon in Santiago erlebt hatten, vom Personal eingeschenkt. Nur eben dieses Personal war gar nicht hier. Dann plötzlich betrat ein kleiner Kellner, wie wir ihn schon aus den Louis-des-Funés-Filmen kannten, in einem weißen Smoking-Jacket, den wir nach den nun folgenden Ereignissen „Dummseppel“ nennen würden,  den Raum und begrüßt uns mit der Frage ob wir Kaffee möchten. Dann die Frage nach Milch. Da wir beide ja sagen, schenkte er Agnes zuerst ein, was sich ja auch gehört. Dann bekomme ich aus dem Handgelenk meine Tasse zuerst mit Kaffee eingeschenkt, dann mit Milch bis sie überläuft. Hat der Seppel denn etwa einen Knick in der Optik? – Er verlässt den Raum und taucht wenige Augenblicke später wieder mit zwei mit Orangensaft gefüllten Sektgläsern zwischen Ring und Zeigefinger eingeklemmt und mit der ganzen Hand umklammert wieder bei uns auf. Er tritt etwas zurück, um sich dann leicht mit dem Hinterteil auf den Tisch zu setzen, auf dem direkt neben ihm das Müsli-Buffet aufgebaut ist. Natürlich vergisst er nicht, uns genauestens zu beobachten. Das war schon deshalb nervig, weil wir die einzigen Gäste im Moment waren. Dann sein großer Auftritt: Ich mache den Warmhaltebehälter für Rührei und Speck nicht richtig auf. Sogleich erhalte ich eine verhalten freundliche Einweisung, wie das nun richtig geht. Das muss sein Hobby gewesen sein, denn wir konnten das am nächsten Morgen bei anderen Gästen beobachten. Was er gegen uns hatte, weiß ich nicht. Wir benahmen uns gut und steckten nichts ein. Für das Essen im Restaurant hatten wir schließlich bezahlt. Vermutlich hielt er aber alle, die hier abstiegen und sich auch noch das teure Frühstück leisteten für „Geldsäcke“ und reiche Ausbeuter. Aber dann war er hier verkehrt. Wir machten uns aber nichts draus und lachten nur drüber. Wie gesagt, wir mussten das ja nicht bezahlen.

Die Rückfahrt wurde eine Tortoure. In Frankreich war Ferienende und alle fuhren gleichzeitig nach Hause. Das bedeutete ab spanischer Grenze 400 km Stop and Go ohne die Möglichkeit, anzuhalten, denn die Parkplätze waren übefüllt und die Leute waren genervt. Sie erledigten ihre Notdurft dort, wo sie gerade standen. Es war unerträglich. Tatsächlich fanden wir in einem gottverlassenen Dorf in der Nähe von Tours ein kleines Motel, wo man mit der Kreditkarte einen Schlüssel bekommen konnte. Das klappte und wir konnten schlafen. Am nächsten Morgen fuhren wir dann gemächlich durchs Loiretal über Chatillon, wo wir Jean und Bernadette besuchten, wieder nach Hause. Die Ufer der Loire hatten Konkurrenz bekommen: die Ufer des Duoro.

Es war soweit. Am 25. November 2008 hatten wir silberne Hochzeit.- Kaum zu glauben! Wir wollten nur im engsten Familienkreis feiern und flogen daher für diesen Tag nach Prag. In der goldenen Stadt verbrachten wir zwei wunderbare Tage ganz für uns alleine. Wir waren zwar fürchterlich erkältet, doch es war sehr schön. Es fiel schon etwas Schnee und so hatte Prag eine Puderzucker-Haube auf den Dächern. Ein wenig Kindheitserinnerung kam hoch – Pan Tau könnte gleich um die Ecke kommen. Am Abend unserer Silberhochzeit aßen wir in einem sehr guten italienischen Restaurant, wo auch unser „offizielles“ Silberhochzeitsfoto entstand. Eine Vorstellung in einem Schwarzlichttheater beendete am nächsten Abend dieses kurze aber schöne Reise.

Als wir wieder zu Hause waren, stand eine Familienfeier im engsten Kreis an. Wir hatten uns entschieden, nicht selbst zu kochen und bestellten einen Catering-Service – war nicht so toll! Aber wir waren noch einmal im engsten Familienkreis zusammen. Meine Oma war auch da. Viele Jahre über war sie immer wieder gerne bei uns. Gerne saß sie auf der Terrasse im Sommer oder genoss unser „Familien-Menü“. Niemals vergaß sie am Ende den Satz: „Jetzt war ich wohl zum letzten Mal hier.“ An diesem Tag vergaß sie ihn und es sollte tatsächlich das letzte Mal sein, dass sie hier bei uns war. Gerne erinnern wir uns daher an diesen Tag zurück und seit damals wissen wir, dass die Entscheidung richtig war, unsere Silberhochzeit genau so und nicht anders zu feiern!

Wie jedes Jahr gab es natürlich auch in diesem ereignisreichen Jahr ein Weihnachtsmenü bei uns. Einfach drauf klicken – dann gibt es das Rezept.

Das war Kapitel 13. In nur einer Woche, am Tag nach unserem 34. Hochzeitstag geht ´s weiter mit dem 14. und letzten Kapitel, das, wie schon angekündigt, sehr italienisch endet. Und wie immer – wem unsere kleine Story gefällt, der spendet in unsere Kaffeekasse – wir nehmen alles an von 1 Euro bis hin zu einer Million. Und keine Angst – wir versteuern alles ordnungsgemäß.

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