Kapitel 9 – Meck-Pomm und Italien statt Belgien und Frankreich

Oh, wie hatten wir uns auf unsere Reisen an Ostern und im Sommer nach Belgien und Frankreich gefreut. Dann aber brach die Maul- und Klauenseuche in Nordeuropa aus. Es gab strenge Beschränkungen bei Ein- und Ausfuhr von Lebensmitteln und natürlich auch bei der Mitnahme von Haustieren. So entschlossen wir uns, Ostern statt nach Belgien und Frankreich nach Schwerin zu fahren. So kam es dann auch, dass wir Ostern im Schnee verbrachten, während in der Normandie fast 20°C herrschten. Das taten wir natürlich gerne für unsere kleine Loulou, die bei uns sein sollte und wollte.

Obwohl seit der Wende schon mehr als 10 Jahre vergangen waren, war in Mecklenburg-Vorpommern doch noch immer so einiges anders. Leider hatte das auch zur Folge, dass es hier nicht unbedingt lukullische Höhepunkte zu vermelden gab. Wir fuhren eine Menge herum und besichtigten z. B. das Schliemann-Haus oder auch das Schloß in Ludwigslust. Das Kfz-Kennzeichen von Ludwigslust haben wir gut in Erinnerung behalten – LWL. Gerade hier waren ganz oft illegale Autorennen zu verzeichnen. In der Nacht zum Ostersonntag hatte man nicht nur eine ganze Reihe dieser Herrschaften dingfest gemacht, sondern die Herrschaften hatten auch so etliche Blechschäden verursacht. Das war dann wohl Ludwigs Lust auf ´s autofahren.

Nur wenige Monate später wollten wir dann aber doch nach Frankreich fahren, um dort im Sommer durch die Lande zu kreuzen. – Pustekuchen! Die Seuchenbestimmungen bestanden immer noch. Wir hätten Loulou zwar mit nach Frankreich nehmen können, jedoch bei Verlassen des Landes hätte sie vier Wochen Quarantäne vor sich gehabt. Da wären wir lieber zu Hause geblieben. Dann aber stellten wir fest, dass die Bestimmungen auf Grund der sommerlichen Temperaturen in Italien nicht so streng waren. Die Viren halten sich wohl bei höheren Temperaturen nicht. Ich machte mich sogleich ans Werk und suchte und buchte Hotels auf einer von uns festgelegten Route in Italien.

Als erste Zwischenübernachtung auf dem Weg nach Venedig, genau genommen allerdings Mestre, denn Venedig war unbezahlbar, wählten wir Kochel am See aus. Fast 20 Jahre vorher hatten Agnes und ich hier unseren ersten längeren Urlaub gemacht. Damit wir am Abend dort noch etwas Zeit hatten, wollten wir gegen 4.00 Uhr morgens starten. Doch wir mussten uns viele Sorgen um unsere kleine Loulou machen. Ihr ging es nicht gut, sie musste sich ständig übergeben. Sie war die ganze Nacht unruhig. Erst viel später erfuhren wir, dass die Kleine einfach nur Reisefieber hatte, das verflog, wenn wir unterwegs waren. Tatsächlich besserte sich ihr Zustand auf der Fahrt nach Kochel. Da wir mitten in der Woche fuhren, war unterwegs nicht viel los. Wir ließen uns aber Zeit und kamen gegen Abend dort an. Kochel liegt in Oberbayern, nur etwa 60km hinter München auf gleicher Höhe mit Garmisch-Patenkirchen. Man war hier die Zeit stehen geblieben! Wir hatten trotzdem einen tollen Aufenthalt und aßen typisch bayerisch. Das Dessert aber war eher österreichisch angehaucht: Marillenknödel in Vanillesauce.

Der nächste Morgen weckte uns mit herrlichstem Wetter. Nach dem Frühstück machten wir uns dann auf in das Abenteuer Italien. Unser Weg führte uns über die Brenner-Autobahn. Es gab damals noch Grenzkontrollen. Das letzte Jahr mit italienischer Lire war angebrochen. Diese Währung war echt gewöhnungsbedürftig. 10tausender-Scheine hatten wir sogar dabei. Und dann die Brenner-Autobahn. Was für eine gigantische Meisterleistung, diese Straße zu bauen.

Um die Mittagszeit passierten wir Bozen. Da alle Autobahnraststätten völlig überfüllt waren, fuhren wir in die Stadt hinein. Eine wirklich tolle Stadt, in der fast nur deutsch gesprochen wurde. Nun ja, für die Italiener im Süden ist das hier ja ohnehin nicht Italien. Wir aßen zum ersten Mal in Italien und zwar eine Bruschetta. Die konnten das wohl mit dem Essen. Als wir vierzehn Tage später wieder nach Hause fuhren war für uns auch klar, die Italiener hatten eigentlch das Essen erfunden.

Auch unsere kleine Loulou war jetzt sehr entspannt!

 

Die die italienische Hitze war natürlich auf der Fahrt nach Mestre deutlich zu spüren. Die Sonne schien vom azurblauen Himmel und nur ein Stau vor der Autobahnausfahrt in Mestre hielt uns auf. Dann waren wir schnell im Hotel. Direkt vor dem Hotel war eine Bushaltestelle, von wo aus der Bus nach Venedig abfuhr. Für relativ wenig Geld besorgten wir uns dann eine Tageskarte, die auch für die Linienboote in Venedig, die Vaporetti gültig waren. Nach einem wunderbaren ersten Abendessen in Italien, selbstverständlich mit Pasta, ging es am nächsten Morgen nach Venedig. Es war dann Zufall, dass wir das Vaporetto erwischten, das uns vom Meer her in Richtung San Marco fuhr, so, wie es im Reiseführer vorgeschlagen war. Das war schon ein Traum.

Venedig war natürlich ein Traum – auch für unsere kleine Loulou. War doch toll, auf dem Markusplatz Tauben zu jagen. Klar, dass wir genau hier auch einen 10-Mark-Capuccino tranken. Muss man erlebt haben. Aber man sollte sich immer auf die Seite setzen, wo die Bands nicht spielen. Für die zahlt man nämlich noch einmal extra. Weil alles so schön war, fuhren wir am Abend noch einmal zurück nach Venedig. Jetzt war es hier einfach ruhig. Die Tagestouristen waren nicht mehr da. Dann gab es auch noch Gewitter und wir konnten feststellen, dass Venedig bei jedem Wetter schön ist. Dann suchten wir ein Restaurant aus. Der Zufall wollte es, dass wir im ältesten Restaurant Venedigs landeten. Ein tolles Menü mit Sepia (Tintenfisch) machte den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis.Ein einfaches Rezept für Tintenfische gibt es hier. Ja, es gibt andere Möglichkeiten als das Frittieren.

Ach ja, dann war da noch der Tipp mit dem Gondel fahren. Die Gondel gehört natürlich zu Venedig und mein Lieblingsmotiv sind und bleiben die Gondeln vor dem Markusplatz.

Natürlich sieht das noch besser aus, wenn die so schön vor sich hin schaukeln. Eine Gondelfahrt aber war und ist nie etwas für unsere Gehaltsklasse gewesen. Trotzdem, nachdem wir all diese Klischees von Venedig schon so wunderbar erlebt hatten, sollte der Höhepunkt natürlich eine abendliche Gondelfahrt sein. An der Rialto-Brücke suchten wir uns eine Gondel aus. Der Gondoliere bat aus höflich ins Boot. ABER HALT! In letzter Sekund fiel mir ein, was ich schon so oft gehört und gelesen hatte. Erst nach dem Preis fragen. Stolz teilte er mir in fließendem Englisch mit: 300.000,– Lire . Uns entglitten die Gesichtszüge. Umgerechnet waren das damals etwa 300,– DM. Dann erkärte er uns, dass das die große Tour von ca. 50 Minuten wäre. Man würde durch die kleinen Kanäle fahren (was natürlich ausgesprochen interessant gewesen wäre – aus dem stinkenden Wasser heraus hohe Hauswände zu betrachten) und man würde Geburts-, Sterbe- und  Aufenthaltshäuser berühmter Personen sehen. (Auch das dürfte von außen unheimlich interessant sein). Als ich ihm bedeutete, dass das zu teuer war, bot er uns eine kleinere Tour von 20 Minuten für 150.000 Lire an. Das befanden wir auch noch zu teuer. Als wir dann weggehen wollten, hielt uns sein Kollege auf, der uns noch einmal alles genau erklärte und uns dann eine noch kleinere Tour für 120.00 Lire anbot. Wir waren vollständig begeistert und lehnten auch jetzt dankend ab. Auf die Frage, ob dann 10 Minuten gefahren würden, lachte er nur un versprach auch 20 Minuten. Was also sollte wohl der Unterschied sein? Wir haben und wir werden es nie erfahren, da wir es vorzogen, ein weiteres Mal mit einem der Vaporetti durch den Canale Grande zum Busbahnhof zu fahren. Wohlwissend, eine Dummheit gelassen zu haben, indem wir auf die Gondelfahrt verzichteten, genossen wir die Rückfahrt und nahmen in der untergehenden Sonne auf dem Canale Grande Abschied von dieser einmaligen, wunderschönen Stadt, die jetzt keinen weißen Fleck mehr auf unserer Reiselandkarte darstellte und die wir sicher einmal wieder besuchen würden. Der Verzicht auf die Gondelfahrt hatte uns dazu gebracht, nicht enttäuscht wegzufahren und die Stadt in wunderbarer Erinnerung zu behalten.

Wir waren in diesem Urlaub so lange unterwegs wie seit 1985 nicht mehr und genossen Italien in vollen Zügen. Jeden Tag Sonnenschein, Hitze und Leckereien, die wir noch nicht kannten. Eine davon war Porchetta. In Italien hat die eine enorme Größe, ist schon fast ein ganzes gefülltes Schwein. Aber es gibt auch eine Mini-Version für zuhause. Das Foto mit Agnes und Loulou entstand übrigens am südlichen Gardasee. Das war unsere letzte Station im nördlichen Italien. Dann ging es nach Maranello, der Ferrari-Stadt und in die Toskana.

Auf dem Weg in die Toskana darf man als Ferrari-Fan natürlich nicht an Maranello vorbeifahren. Wir besichtigten die Galleria Ferrari, das Ferrari-Museum. Dort war auch das Formel-1-Auto zu besichtigen, mit dem im Jahr zuvor Michael Schumacher Weltmeister geworden war. Es gab sogar einen Fan, der mit zwei Krücken in das Museum humpelte, diese Krücken vor dem Auto fallen ließ und vor ihm in die Knie ging. Die Faszination Ferrari war hier allgegenwärtig. Mit viel Glück konnten wir dann noch auf der Teststrecke Rubens Barrichello mit einem damals noch sehr lauten F1-Wagen trainieren sehen.

Das war einfach unser Urlaub – Sonne, Wärme, leckeres Essen, guter Wein und „Kultur bis zum Anschlag“. Wir waren Loulou unendlich dankbar dafür, dass sie letztlich dafür gesorgt hatte, dass wir hierher kamen. Wir sahen die Arena von Verona, den Balkon von Romeo und Julia, deren Denkmal sogar offiziell unsittlich berührt werden durfte, wir sahen Städte wie Lucca mit dem Pinocchio-Park, Pisa, Siena, Florenz, aber auch Naturschönheiten und ein Schwert, das irgendwann einmal jemand in einen Felsen gehauen hatte. Eine besondere Leckerei aus dieser Zeit nahmen wir mit nach Hause, nämlich die Spargel-Tarte, die wir auch schon unseren Gästen auf einem Event servieren durften. Mit unsagbar vielen Eindrücken fuhren wir 16 Tage nach unserer Ankunft zurück nach Deutschland. Wir gönnten uns eine Zwischenübernachtung in einem einst sehr bekannten Hotel im Schwarzwald, dem Forellenhof aus der Fernsehserie der 1960er Jahre. Hier schien auch die Zeit stehen geblieben zu sein, dennoch war es ein besonderes Erlebnis, in diesem angestaubt wirkenden Ambiente und dem Charme der 1960er, dieser Zeit in der das Reisen von den Deutschen entdeckt wurde, ein wenig Zeit zu verbringen. Zur Erinnerung an die Serie: Hier klicken

In Memoriam Roger Humphrey. In diesem ersten Jahr im neuen Jahrtausend fuhren wir dann im Herbst noch einmal nach London. Dieses Mal wollten wir unbedingt einmal unsere englischen Freunde in Northampton besuchen. Das ließ sich dann auch leicht organisieren. Mit dem Zug fuhren wir dorthin. Sie erwarteten uns am Bahnhof und wir verbrachten einen wirklich schönen Tag in der Umgebung von Northampton. Wer die Fernsehserie „Der Doktor und das liebe Vieh“ schon einmal gesehen hat, dem sei gesagt, genauso sieht das hier aus. Die Zeit schien stehen geblieben zu sein. Nach einem wunderbaren Tag mit unseren englischen Freunden fuhren wir zurück nach London, wo wir natürlich noch ein gigantisches Besichtigungsprogramm absolvieren wollten. Vom Charles-Dickens-House bis Nottinghill war alles dabei. Leider haben wir bis heute unsere Freunde nicht mehr persönlich gesehen. Wir schreiben uns zu Weihnachten, das hat für die Engländer eine große Tradition. Roger haben wir damals aber tatsächlich zum letzten Mal gesehen. Er starb 2011 nach einer schweren Krankheit. Danke Roger für die tolle Zeit, die wir miteinander erleben durften, für den Spaß und Deine immerwährende gute Laune!

 

 

 

Unser Freund Roger Humphrey 1947-2011

Das Jahr neigte sich langsam dem Ende zu. Wie schon gesagt, Silvester würden wir in Paris sein. Aber unser Italien-Urlaub wirkte natürlich nachhaltig in Bezug auf unser Weihnachtsmenü. Und das sah in diesem Jahr so aus:

Alle Rezepte finden sich mit einem Klick auf das jeweilige Gericht. Da es sich nicht um typische Weihnachtsgerichte handelt, lassen sie sich auch durchaus jetzt schon mal nachkochen. Einige der Zutaten gibt ´s auch bei Gourmet Flamand.

Das war das 9. Kapitel unser Lebensstory. Jetzt gehen wir in die Sommerpause – nicht um Urlaub zu machen – nein, jetzt stehen 4 große Events bei Gourmet Flamand an:

Ende August geht es dann weiter – mit mehr Rezepten und Bildern von uns und unseren Freunden. Vielen werden wir in den nächsten Wochen bei unseren Veranstaltungen wieder einmal persönlich begegnen. Wir freuen uns drauf.

Ach ja – und wer unsere kleine Geschichte mag, der darf uns natürlich gerne wieder eine Tasse Kaffe spenden. Einfach auf den Link drücken. Die Summe ist egal – wir nehmen 1 Euro genauso wie eine Million – und keine Angst, wir versteuern alles ordnungsgemäß.

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