Kapitel 7 – Ein Jahrtausend verabschiedet sich

Wie oft haben wir alle eigentlich von diesem sagenumwobenen Jahr 2000 geredet. Je weiter es weg war, umso futuristischer hat man es ausgemalt. Es würde nur noch Autos geben, die fliegen, wir Menschen selbst brauchen gar nicht mehr zu arbeiten, Roboter erledigen das für uns. Auf bloßen Zuruf reagieren Computer – kannten wir ja schon vom Raumschiff Enterprise. Und Essen? Nur noch Pillen, warum sich mit mehr aufhalten. Als wir das Jahr 1999 schrieben, wurden diese Mutmaßungen deutlich weniger, denn da wusste man, dass diese radikalen Veränderungen nicht über Nacht kommen konnten. Und was unsere Ernährung angeht, so ist gerade in den Folgejahren eine neue Esskultur entstanden, die sich stets weiterentwickelt.

Unsere letzte Reise in den 90ern führte uns nach London. Für uns bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte. Wir waren eine Woche vor Weihnachten dort und erlebten eine ganz besondere Zeit. Also – London, wir kommen!

Wie ich ja schon geschrieben hatte, nutzten wir zum ersten Mal das Internet, um eine Reise komplett zu buchen und zu planen. Die Reise nach London war außerdem verhältnismäßig teuer, denn London galt schon damals als teuerste europäische Metropole. Daher wollten wir jede Minute dort optimal nutzen. Wir buchten den Flug über die britische Fluggesellschaft British Midland, mit der wir am 16. Dezember 1999 von Amsterdam nach London flogen. Vom riesigen Flughafen Heathrow aus hatten wir dann nach der Landung noch etwa 1½ Stunden Fahrt mit der U-Bahn bis zur Euston-Station, einem Bahnhof, der sich direkt neben dem Hotel Ibis befand, welches wir für den Aufenthalt wegen der guten Ausgangslage und eines einigermaßen erträglichen Preises gebucht hatten.

Kurz bevor es dunkel wurde, mussten wir noch einige Warteschleifen über London fliegen. Da sahen wir bereits alle Sehenswürdigkeiten, die man so kannte von oben. Zunächst fuhren wir durch die Außenbezirke langsam mit der U-Bahn in die Innenstadt. Dabei fuhren wir auch sehr viel überirdisch. Alte Bahnhöfe, alte Häuser, alles wie bei Edgar Wallace und Miss Marple. Als wir dann in der Innenstadt umsteigen mussten, erwischte uns die Rush-Hour. Tausende leifen durch die unterirdischen U-Bahn-Gänge, aber immer mit äußerster Disziplin. Wir musste uns noch daran gewöhnen, dass man hier nicht rechts sondern links läuft. Etwa zwei Stunden nach unserer Landung kamen wir dann im Hotel an und richteten uns dort ein. Danach ging es sofort los in die Stadt. Wir liefen einfach los und sahen an diesem Abend erst den Big Ben, dann den Picadilly-Circus und landeten schließlich in einem Steakhouse, wo man eigentlich ganz gut essen konnte. Die Britten haben es nun einmal nicht so mit der Essenszubereitung. Es gibt durchaus tolle Spezialitäten, jedoch die durchschnittliche Küche ist für unseren Gaumen doch sehr gewöhnungsbedürftig.

Fish and Chips, das wohl bekannteste Gericht aus England. Es gibt es fast in jeder Kneipe und nicht immer sieht das so gut aus, wie oben auf dem Bild. Überhaupt, vieles ist dort anders. Die Kneipen, also die Pubs, sind Freitags nach Dienstschluss gerammelt voll, dafür am Samstag eher leer. Man braucht nicht auf die Bedienung warten, die kommt nicht. Man geht an die Theke, bestellt, bezahlt und bekommt Getränk und Essen. Aber egal, ob voll besetzt oder leer, um 23.00 Uhr läutet der Wirt die Glocke und ruft: „Last order, please!“. Dann kann man noch einmal bestellen und noch einmal in Ruhe austrinken.

Wir waren damals kurz vor Weihnachten in London und überall war es so kitschig, dass es schon wieder schön war. Wir wussten damals noch nicht, dass wir ein letztes Mal eine entspannte Atmosphäre in einer solchen Großstadt erleben würden. Denn damals war der 11. September noch nicht denkbar. Menschen freuten sich auf Weihnachten. Besonders schön waren der Covent Garden und natürlich Harrods.

 

Die ehemaligen Markthallen von Covent Garden bieten ein wunderbares Ambiente

Alleine bei Harrods, dem Kaufhaus, das alles hat – vom Bleistift bis zum Sarg – hätten wir uns einen ganzen Tag aufhalten können. In jedem Schaufenster waren Märchen dekoriert, alles wunderbar beleuchtet. Und alles sah aus, als ob Mr. Bean gleich um die Ecke kommen würde. Natürlich kauften wir eine Kleinigkeit und waren stolz auf unsere Harrods-Tasche. So besichtigten wir London von morgens bis spät abends und am Ende stand dann am Sonntag, unserem letzten Tag Madame Tussaud auf dem Programm. Glücklicherweise hatten wir über Internet gebucht und konnten an der Schlange vorbei laufen, was einige nicht verstanden. Der Gang durch die Ausstellung war atemberaubend, wenn auch nicht so schön, wie in der Zweigstelle in Amsterdam. Doch dieses Museum war schließlich der Ursprung. Gegen Abend fuhren wir dann zum Flughafen und mussten dort wegen einer ziemlichen Verspätung lange ausharren. Erst gegen 0.30 Uhr waren wir zurück in Amsterdam. Jetzt mussten wir noch wegen des Eisregens über aalglatte Autobahnen nach Hause fahren, wo uns um 4.30 Uhr unsere kleine Loulou fröhlich begrüßte.

Na ja – was haben wir nun in Punkto Essen von den Engländern gelernt? Eigentlich nichts. Denn wenn man mit einem „normalen Geldbeutel“ nach London fährt, wird man hochwertige Speisen nicht bekommen. Eines war ganz sicher super, auch wenn ich Ostfriese bin. Der englische Frühstückstee, ein Genuss den ganzen Tag lang. Und da war ja auch noch das English Breakfast. So wie auf dem Bild sah ein Angebot auf dem Flughafen aus, das man den ganzen Tag bekommen konnte. Ich verkniff mir das, denn ich wusste ja schon, wie z. B. die Baked Beans schmecken, nämlich nach Nichts. Daher hier ein Rezept für Baked Beans, das ich mir für Gourmet Flamand ausgedacht habe.

Noch 11 Tage bis Silvester. Horrorgeschichten häuften sich. Vom Computervirus, der sofort beim Einschalten am 1. Januar 2000 alles zunichte machen würde, bis hin zum Weltuntergang. Und wir? Vor zwei Jahren hatten wir in einem gut gelegenen Hotel in Paris für eben dieses besondere Silvesterfest nicht weniger als 10 Doppelzimmer gebucht. Wir hätten damit sicher Geld machen können, wenn wir die weiter gegeben hätten. Doch was machen wir? Wir ziehen es vor, diese Zimmer zu stornieren (das Hotel hat sich bestimmt gefreut, denn für die Zimmer bekamen sie sicher viel mehr Geld) und buchen ein Zimmer in einem großen Hotel in Akerslot bei Amsterdam. Essen konnte man gar nicht in dem Hotel an diesem Abend, geboten wurde auch nichts. Also saßen wir zu Viert vor dem Fernseher, aßen von einem selbstaufgestellten Buffet mit lauter holländischen Fertigsachen. Dazu gab ´s Dosenbier und um 0.00 Uhr natürlich Sekt. So unspektakulär hätten wir uns das nun nicht vorgestellt, denn überall auf der Welt wurde ohne Ende gefeiert – natürlich auch in Paris. Dort hatten wir die Silvesterfeier des Jahrtausends verpasst, genauso, wie seinerzeit das 100jährige Jubiläum des Eifelturms. Unsere Strandspaziergänge am nächsten Tag entschädigten uns natürlich etwas, doch eigentlich haben wir diesen Abend aus unserem Gedächtnis gestrichen.

Ein neues Jahr, ein neues Jahrzehnt, ein neues Jahrhundert, ein neues Jahrtausend! Man muss sich das vorstellen. Nur wenige Menschen haben das Glück so etwas zu erleben. Aber in diesem Moment sieht man das gar nicht so. Das neue Jahrhundert würde viele Veränderungen bringen, leider auch schon sehr bald einen Anschlag auf das World Trade Center in New York, nach dem die Welt nie wieder so sein würde wie sie war. Eigentlich hatten wir Menschen doch in all den Ausblicken auf das noch so ferne Jahr 2000 darauf gehofft, keine Kriege mehr zu führen und in einer Welt zu leben. Trotzdem plagen uns weiterhin Kriege, Armut, Hungersnöte, oft nur durch die Uneinsichtigkeit wirrer Ideologen – und das in Ost und West (obwohl es das doch nicht mehr geben dürfte). Das Elend vergangener Kriege, Krisen und Probleme vergisst man offenbar sehr schnell. Als 1989 die Berliner Mauer fiel, die zusammen mit der verminten Grenze so unsagbar viel Leid gebracht hatte, als die Stasi, die so vielen Menschen Not, Elend und Tot gebracht hatte endlich aufhörte zu existieren, da lagen wir uns alle vor Freude weinend in den Armen. Im Jahr 2000 hatten wir die für unmöglich gehaltene Deutsche Einheit schon 10 Jahre, mittlerweile haben wir das 25jährige Jubiläum gefeiert und trotzdem schimpfen wir heute fast nur noch aufeinander. Schuld haben auch hier ganz oft die ewig Gestrigen. Positiv denken ist nicht die Stärke von uns Deutschen. Leider ist das immer mehr eskaliert, weil für uns Deutsche nur noch eine schlechte Nachricht eine gute Nachricht ist und es uns wichtig ist nur noch nach den Fehlern der Anderen zu suchen. Nicht nur so leben ganze Heere von Anwälten und Firmen von den Fehlern, die man nun mal macht, durch Abmahnungen. Können die eigentlich noch in den Spiegel schauen? Ich glaube nicht. Da würde denen ja schlecht werden. Also, was nun ist in der neuen Welt anders? Technik und Fortschritt. Beide positiv genutzt geben Sie uns eine neue Lebensqualität – nur auf eines müssen wir achten: das alles und die Wirrköpfe dürfen uns nicht aus dem Ruder laufen! Unsere Welt ist nämlich wirklich schön. Wir nehmen es nur nicht immer war. Im Jahr 2000 war für mich, der die Mauer und die Grenze seit er Denken kann mit allen ihren schrecklichen Seiten gesehen hatte, er erhebenste Moment, als ich mit unserem Auto durch das Brandenburger Tor fahren durfte. Das geht heute nicht mehr – aber ich freue mich, dass ich das erleben durfte.

Wir bleiben jetzt noch mal kurz beim Stichwort Berlin. Diese wunderbare alte Stadt. Wer hat noch nie Liza Minelli gehört, wenn sie „Welcom to the cabaret“ sang, dieses Musical, das so einmalig diese Stadt im Wandel der Zeiten beschreibt. Diese Stadt, die so tolerant und weltoffen war und heute wieder ist, wie kaum eine andere Stadt auf der Welt. Sie hat uns auch die Gemütlichkeit ins Leben zurück gebracht. Feine, kleine Kneipen und Restaurants, einmalige Ideen rund um ´s Essen und Trinken. Natürlich hat mich das auch zu einem Gourmet Flamand-Gericht hinreißen lassen. Angelehnt an ein altes Berliner Rezept entstand die Alt-Berliner Wirtshauspfanne.

Und dann hatten wir noch eine unsinnige Idee, die nur auf einem falschen Pflichtbewusstsein basierte. Wir glaubten, wir würden Kunden verprellen, wenn die uns nicht immer erreichen könnten. Also entschlossen wir uns, in diesem Jahr 2000 dazu, nicht in Urlaub zu fahren, sondern nur Wochenendfahrten zu machen. Wir hatten unser Büro in Leer Freitags bis 16.00 Uhr geöffnet. Wir wissen heute, dass das Unsinn war, denn ich verkaufte ja Versicherungen und nicht lebenswichtige Medikamente. Je nachdem, ob wir ein längeres Wochenende, wie z. B. Pfingsten oder aber ein normales Wochenende vor uns hatten, planten wir die Reise. Sie begann am Freitagnachmittag und endete am Sonntagabend oder eben am Montagabend. So lief das dann ab: Zunächst fuhr Agnes nach Hause und packte die Reisetasche, stellte alles bereit. Dann fuhr ich so gegen 15.00 Uhr nach Hause, während Agnes wieder im Büro Dienst machte. Ich packte noch notwendige Sachen zusammen und lud alles ins Auto, fuhr nach Leer zurück und gegen 16.00 Uhr gab es dann ein alkoholfreies Bier im Büro als Einstimmung für das Wochenende. Dann ging es los und ehe wir uns versahen, war das Wochenende vorbei. Am Ende haben unsere Wochenendfahrten mehr Geld gekostet, als ein 14tägiger Urlaub. Nur eines lernten wir damals kennen: Belgien und Nordfrankreich. Diese Landstriche sollten unser Leben später noch einmal völlig verändern.

 

In der nächsten Woche geht es weiter mit belgischen Eigenarten, Bier – und warum man in Belgien besser Bier als Wein trinkt. Natürlich gibt es auch typische Rezepte. Ebenso gibt es unser erstes Aufeinandertreffen mit Italien und die Geschichte, warum wir es der kleinen Hundedame Loulou zu verdanken haben, wunderbare Zeiten in Italien verbringen zu dürfen.

Und wem unsere kleine Geschichte gefällt, der kann ja mal darüber nachdenken, ob er uns nicht eine kleine Spende in die Kaffeekasse wirft. Einfach unten auf den Button unten drücken und per Paypal zahlen. Keine Sorge, wir versteuern das ordnungsgemäß.

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